Der NE555-Blinker gehört zu den bekanntesten und zugleich lehrreichsten Schaltungen der Elektronik. Wenn Sie verstehen möchten, wie elektronische Zeitsteuerungen funktionieren, ist diese Schaltung ein idealer Einstieg. Mit nur wenigen Standardbauteilen lässt sich ein funktionierender Blinker aufbauen, der zuverlässig arbeitet und dabei die grundlegenden Prinzipien von Kondensatoren, Widerständen und zeitabhängigen Vorgängen anschaulich vermittelt.
Viele Einsteiger suchen gezielt nach Begriffen wie „NE555 Blinker Schaltung“, „NE555 Blinker berechnen“ oder „NE555 LED blinkt nicht“. Genau hier setzt dieser Beitrag an. Sie sehen, warum die Schaltung funktioniert und an welchen Stellen typische Fehler auftreten können.
Aus eigener Praxis zeigt sich immer wieder: Ein NE555-Blinker wird häufig „nachgebaut“, aber selten wirklich verstanden. Genau das führt später zu Problemen, wenn die Blinkfrequenz nicht stimmt oder die Schaltung scheinbar unzuverlässig arbeitet. Sehen Sie, wie der NE555-Blinker als astabile Kippstufe arbeitet, wie die Bauteile zusammenwirken und wie Sie die Blinkfrequenz gezielt beeinflussen können.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Berechnung der Blinkfrequenz. Sie erfahren, wie Widerstände und Kondensatoren zusammenspielen und wie sich Ein- und Ausschaltzeiten der LED verändern lassen. Damit sind Sie in der Lage, Ihre eigene NE555-Blinkerschaltung gezielt anzupassen, statt nur vorgegebene Werte zu übernehmen.
Die Schaltung eignet sich dabei nicht nur für Einsteiger, sondern auch hervorragend zum Experimentieren und Vertiefen bestehender Kenntnisse. Gerade weil der NE555 so vielseitig einsetzbar ist gehört er seit Jahrzehnten zur Grundausstattung in Ausbildung, Hobbywerkstatt und professioneller Elektronik.
Neben dem eigentlichen Aufbau erhalten Sie in diesem Beitrag auch typische Hinweise aus der Praxis: Welche Bauteilwerte sinnvoll sind, warum manche Schaltungen nicht sofort funktionieren und wie Sie Fehler systematisch eingrenzen können. Dadurch wird der NE555-Blinker nicht nur zu einer einfachen Bastelschaltung, sondern zu einem echten Lernwerkzeug.
Wie funktioniert diese NE555-Blinkerschaltung?
Die NE555-Blinkerschaltung in diesem Beitrag basiert auf dem Prinzip des astabilen Multivibrators beziehungsweise der astabilen Kippstufe. Das bedeutet, dass der NE555 in einem kontinuierlichen Umschaltprozess zwischen zwei Zuständen arbeitet. Dadurch kommt es auch zum wechselseitigen Schalten des Ausgangs an Pin 3 des Timer-ICs. Außerdem wechselt der Ausgang zwischen Plus und Masse, wodurch sich zwei Leuchtdioden wechselseitig ansteuern lassen.
Die astabile Kippstufe ist eine elektronische Schaltung, die ohne äußere Ansteuerung ständig zwischen zwei Zuständen hin- und herschaltet. Sie besitzt keinen stabilen Ruhezustand, sondern erzeugt selbstständig ein periodisches Signal mit einer festen Ein- und Ausschaltfolge. Die Dauer dieser Schaltzustände wird durch externe Bauteile wie Widerstände und Kondensatoren bestimmt. Beim Einsatz des NE555 entsteht so ein rechteckförmiges Ausgangssignal, das sich ideal für Blink-, Takt- und Zeitsteuerungsaufgaben eignet.
Das bedeutet: Der Ausgang an der Schaltung ständig zwischen High (1) und Low (0), wodurch die LED in regelmäßigen Intervallen ein- und ausgeschaltet wird. Damit lässt sich eine Leuchtdiode direkt steuern, da der Ausgang soweit belastbar ist, dass er einen ausreichenden LED-Strom steuern kann, zumindest wenn es sich um keine Leistungs-LED handelt, wie diese für Beleuchtungszwecke eingesetzt werden.
Die Dauer der Ein- und Ausschaltphasen hängt von den Werten der Widerstände R1, R2 und der Kapazität des Kondensators C1 ab. Die Schaltung funktioniert folgendermaßen:
- Der Kondensator C1 lädt sich über die Widerstände R1 und R2 auf. Sobald die Spannung einen bestimmten Wert erreicht, schaltet der NE555 um.
- Nun entlädt sich der Kondensator durch R2, bis eine definierte Spannung unterschritten wird. Dann startet der Ladevorgang erneut.
- Dieser Zyklus wiederholt sich ununterbrochen, wodurch die LED regelmäßig blinkt.
Die Bauteile für eine einfache NE555-Blinkerschaltung
Um einen einfachen NE555-Blinker aufzubauen, benötigen Sie nur wenige Bauteile:
- Das wichtigste Bauteil ist das NE555-Timer-IC.
- Außerdem benötigt wird eine LED (zum Beispiel rote LED mit 5 mm Durchmesser), für den Wechselblinker sind es zwei LEDs.
- Weiterhin wichtig sind die Widerstände mit folgenden Werten: R1 (1 kΩ – 100 kΩ), R2 (1 kΩ – 100 kΩ).
- Der Elektrolytkondensator C1 ist bestimmt zusammen mit R1 und R2 die Blinkfrequenz. Die Kapazitätswerte liegen zwischen etwa 1 µF und 1000 µF (je nach gewünschter Blinkfrequenz).
- Der Keramikkondensator C2 mit 100 nF dient zur Spannungsstabilisierung. Ein Folienkondensator mit gleicher Kapazität tut es auch.
- Die Spannungsquelle sollte 5V bis 12V Gleichspannung liefern.
- Steckbrett und Verbindungskabel werden außerdem benötigt (siehe Tipp).
➡ Tipp: Um die Schaltung flexibel zu testen, kann sie auf einem Steckbrett (Breadboard) aufgebaut werden. So lassen sich verschiedene Werte für Widerstände und Kondensatoren ausprobieren.

Die Schaltung aufbauen und die einzelnen Schritte
Hier sind die einzelnen Schritte für den Aufbau der NE555-Blinkschaltung:
- Setzen Sie den NE555-Timer-IC auf das Steckbrett, sodass alle Anschlüsse gut erreichbar sind.
- Verbinden Sie Pin 8 mit der Betriebsspannung (+V) und Pin 1 mit Masse (GND).
- Schließen Sie die Widerstände und den Kondensator wie folgt an: Platzieren Sie den Widerstand R1 zwischen Pin 8 (+V) und Pin 7. Verbinden Sie den Widerstand R2 zwischen Pin 7 und Pin 6. Schließen Sie den Kondensator C1 zwischen Pin 6 und Masse (GND) an.
- Verbinden Sie die LED mit einem Vorwiderstand. Schließen Sie die Anode der LED an Pin 3 (Ausgang) des NE555 an. Verbinden Sie die Kathode über einen Vorwiderstand, beispielsweise 470 Ω, mit Masse. Den Vorwiderstand können Sie auch direkt zwischen den Ausgang vom Timer 555 und die Leuchtdiode schalten.
- Fügen Sie den Stützkondensator C2 zwischen Pin 5 und Masse (GND) ein, um Spannungsschwankungen zu minimieren.
- Schließen Sie die Schaltung an die Stromversorgung an und testen Sie die Funktion. Beobachten Sie, ob die LED im gewünschten Takt blinkt.
Falls die LED dauerhaft leuchtet oder gar nicht blinkt, überprüfen Sie die Werte der Widerstände und des Kondensators.
Die Berechnung der Ein- und Ausschaltzeiten der LED
Die Blinkfrequenz der Schaltung lässt sich folgendermaßen berechnen:
0,7 x R (Ohm) x C (Farad)
Hinweis: der Faktor 0,7 ist aufgerundet, genau beträgt er 0,693.
In dem hier gezeigten Beispiel würde das folgendermaßen aussehen:
0,7 x 15000 x 0,00047 = 4,94 Sekunden pro Leuchtphase und ebenso lange für die Leuchtpause.
Verzichtet man auf die Diode in der Schaltung, lassen sich die Zeiten für die Leuchtdauern und die Leuchtpausen separat festlegen. Die Dauer der Leuchtphase der LED ist von beiden Widerständen (R1 und R2) sowie der Kapazität des Kondensators C1 abhängig. Sie berechnet sich nach folgender Formel:
0,7 x C x (R1 + R2)
Beispiel: 0,7 x 0,00047 x (15000 + 15000) = 9,87 Sekunden
Die Leuchtpause ist abhängig von der Kapazität von C1 sowie dem Widerstand R2 und berechnet sich so:
0,7 x C x R2
Beispiel: 0,7 x 0,00047 x 15000 = 4,94 Sekunden
Diese Berechnungen bestätigen, dass bei einer Schaltung ohne die Diode die Leuchtdauer doppelt so lange dauert wie die Leuchtpause, wenn zwei gleiche Widerstandswerte verwendet werden. Natürlich können Sie aber auch unterschiedliche Widerstände für R1 und R2 einsetzen. Probieren Sie doch einfach mal unterschiedliche Widerstände und (Elektrolyt-) Kondensatoren aus. Beachten Sie aber, dass der Widerstand R1 einen Widerstandswert von mindestens 100 Ohm haben sollte, damit das IC nicht überlastet wird.
Ein Testaufbau der Blinkerschaltung auf einer Steckplatine ermöglicht das Herumexperimentieren mit unterschiedlichen Widerstands- und Kapazitätswerten.
Die Diode und ihre Funktion in diesem NE555-Blinker
In der Standardbeschaltung sind allerdings die Zeiten des Aufleuchtens und der dazwischen liegenden Pausen verschieden. Die Leuchtpausen sind nur etwa halb so lang wie die Leuchtdauern der LED.
Eine zusätzliche Diode (im Schaltbild bereits eingezeichnet) sorgt dafür, dass beide Phasen die gleiche Dauer haben. Wie funktioniert das?
Die Diode bewirkt, dass während des Aufladens des Elektrolytkondensators der Widerstand R2 quasi überbrückt wird. Dadurch wird erreicht, dass das Aufladen und das Entladen des Elkos nun jeweils die gleiche Zeit dauert. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn die Widerstände R1 und R2 gleiche Widerstandswerte besitzen.
Noch ein Tipp: Der Stützkondensator C2 mit 100 Nanofarad (0,1 Mikrofarad) sollte möglichst nahe am IC angeschlossen werden. Er dient dazu, Fehlfunktionen der Schaltung durch kurzzeitige Spannungseinbrüche zu verhindern.

Ein Testaufbau der Blinkerschaltung auf einer Steckplatine ermöglicht das Herumexperimentieren mit unterschiedlichen Widerstands- und Kapazitätswerten.
Aus NE555-Blinker mach Wechselblinker
Mit geringem Aufwand kann die Schaltung auch zu einem Wechselblinker „aufgerüstet“ werden. Lediglich ein zusätzlicher Widerstand sowie eine weitere Leuchtdiode sind dafür notwendig.
Wie ist das möglich?
Der Ausgang des ICs NE555 schaltet nämlich zwischen Plus und Masse hin und her, um es mal einfach zu sagen. Während der Einschalt- bzw. Leuchtphase liegt dieser Anschluss (Pin 3 des NE555-ICs) auf Pluspotential. In der Leuchtpause bzw. Ausschaltphase wird er auf Masse geschaltet.
Schließt man nun eine weitere Leuchtdiode mit Vorwiderstand so an, wie im zweiten Schaltbild gezeigt, werden beide Schaltzustände des Ausgangs jeweils durch eine LED signalisiert.
➡ Tipp: Diese Schaltung eignet sich hervorragend für Blinklichter, Warnleuchten oder Signalgeber.

Anwendungsbereiche für die NE555-Blinkerschaltung
Die NE555-Blinkerschaltung findet in zahlreichen Bereichen Anwendung und lässt sich außer zum Lernen und Experimentieren für verschiedene elektronische Projekte nutzen.
Eine typische Verwendung ist der Einsatz als LED-Blinklicht, das beispielsweise als Anzeige- oder Warnsignal dient. Aber auch in elektronischen Steuerungen wird die Schaltung als Taktgeber eingesetzt, um regelmäßige Impulse zu erzeugen. Darüber hinaus eignet sie sich für zeitgesteuerte Schaltungen, etwa zur Verzögerung oder Impulssteuerung in Automatisierungsprozessen.
Die NE555-Schaltung ist zudem ideal für Lernelektronik und wird oft von Einsteigern und Bastlern genutzt, um grundlegende Prinzipien der Elektronik zu verstehen und mit verschiedenen Bauteilen zu experimentieren.
NE555-Calculator mit Simulation
Zum Schluss finden Sie hier noch einen NE555-Calculator, der das Ergebnis gleich visuell anzeigt. Geben Sie die Werte für R1, R2 und C1 ein und starten Sie die Berechnung. Die Animation Startet dann gleich.
NE555 Blinker Simulation
Blinkfrequenz berechnen
LED-Blinkanimation
Welche Bauteilwerte beim NE555-Blinker sinnvoll sind
Sinnvolle Bauteilwerte liegen für die meisten Anwendungen bei Widerständen im Bereich von etwa 1 kΩ bis 100 kΩ sowie Kondensatoren zwischen 1 µF und 1000 µF. Kleinere Widerstände führen zu höheren Strömen und damit zu einer unnötigen Belastung des NE555, sehr große Widerstandswerte können die Schaltung störanfälliger machen.
In der Praxis haben sich Kombinationen im mittleren Bereich als besonders stabil und gut kontrollierbar erwiesen. Sie bieten einen guten Kompromiss zwischen zuverlässigem Schaltverhalten und sinnvoll einstellbaren Blinkfrequenzen.
Der NE555-Blinker funktioniert nicht?
Wenn eine NE555-Blinkerschaltung nicht auf Anhieb funktioniert, liegt das meist an wenigen, typischen Ursachen. Besonders häufig sind vertauschte Pins am IC, fehlerhafte Steckverbindungen auf dem Breadboard oder ein falsch gepolter Elektrolytkondensator.
Auch unpassende Widerstandswerte oder eine fehlende bzw. eine instabile Spannungsversorgung führen dazu, dass die LED gar nicht oder nur unregelmäßig blinkt. Ebenso wird oft die LED falsch angeschlossen oder der notwendige Vorwiderstand vergessen.
Fehler systematisch eingrenzen statt planlos probieren
Um Fehler gezielt zu finden, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen. Zunächst sollte immer die Spannungsversorgung überprüft werden. Danach empfiehlt es sich, die Beschaltung des NE555 Schritt für Schritt mit dem Datenblatt zu vergleichen.
Anschließend können die einzelnen Bauteile überprüft werden, etwa durch Nachmessen der Widerstände oder durch den testweisen Austausch des Kondensators. Besonders hilfreich ist es, die Schaltung gedanklich in Teilbereiche zu zerlegen und zu prüfen, an welcher Stelle das erwartete Verhalten ausbleibt.
So vermeiden Sie unnötiges Herumprobieren und kommen deutlich schneller zu einer funktionierenden Schaltung.
Weitere Infos zum NE555 Timer finden Sie hier.
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Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.
Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor




