Das CD-i-Format – CD-interactive von Philips aus den 90ern

Was ist das CD-i-Format von Philips, wofür wurde es entwickelt und warum gilt es heute als eines der interessantesten Multimedia-Experimente der 1990er Jahre? Genau diesen Fragen geht dieser Beitrag nach. Dabei geht es nicht nur um die technischen Besonderheiten von Compact Disc Interactive (CD-i), sondern auch um die benötigten Abspielgeräte und die historische Einordnung dieses ungewöhnlichen Systems.

Ich selbst bin dem CD-i-Format erstmals begegnet, als mir 1996 ein entsprechender Player in die Hände fiel und ich mich fragte, was man damit eigentlich anfangen konnte. Viele dieser Geräte tauchen heute auf Dachböden, in Sammlungen oder auf Flohmärkten auf. Und das oft, ohne dass den Besitzern eigentlich klar ist, welche Formate diese überhaupt abspielen können und wofür sie gedacht waren. Aus dieser praktischen Neugier heraus entstand dieser Beitrag.

Das CD-i-System sollte weit mehr sein als ein normaler CD-Player. Philips wollte Unterhaltung, Lernen und Interaktion auf einem einzigen Datenträger vereinen: Spiele, interaktive Lernprogramme, Bildsammlungen und Videoinhalte sollten direkt am Fernseher nutzbar sein. Und das zu einer Zeit, in der PCs im Wohnzimmer noch keine Selbstverständlichkeit waren.

In diesem Artikel betrachten wir sowohl die technische Seite des CD-i-Formats als auch seine geschichtliche Entwicklung, die verschiedenen Player-Modelle und die Rolle des Systems auf dem damaligen Multimedia-Markt. Der Beitrag richtet sich an Technik-Interessierte, Sammler historischer Mediensysteme und alle, die verstehen möchten, warum das CD-i trotz innovativer Ideen nie den großen Durchbruch schaffte.

Wiedergabegerät für das CD-i-Format, der CDI 450 von Philips
CD-I Player 450 von Philips: mein Einstieg in dieses Format im Jahre 1996, rund fünf jahre nach dessen Markteinführung

Seit ihrer Markteinführung 1982 hat sich die Compact Disc (CD) zu einem wahren Multitalent entwickelt. Der Begriff Multimedia, der Mitte der 1990er Jahre in aller Munde war, wurde zu Recht häufig mit der CD in Zusammenhang gebracht.
Anfangs als Nachfolger für die Schallplatte vorgesehen, erschloss sich die Compact Disc besonders in den 1990er Jahren mehr Anwendungsgebiete als die digitale Speicherung von Musikdaten. Eines davon ist das Format Compact-Disc-Interactive. Neben Musik-CDs waren die Geräte in der Lage, Video-CDs, Photo-CDs und Spiele für dieses System zu verarbeiten.

Multimedia in den 90er Jahren mit dem CD-i-Format


Der Begriff Multimedia war einer der Begriffe in der damaligen Zeit. Die CD wurde als Datenträger für Filme, Computerspiele und Software aller Art entdeckt. Weiterhin wurden Geräte hergestellt, die auf die multimedialen Fähigkeiten der CD abgestimmt waren. Der erste CD-i-Player wurde 1990 auf den Markt gebracht. Er sollte dem Besitzer weit mehr bieten als ein „normaler“ CD-Player. Gleichzeitig kamen CDs auf den Markt, diee neben Musik auch Grafikdateien enthielten (CD+G), Video-CDs und Software-CDs speziell für den CD-i-Player. Diese enthielten Spiele und Lernsoftware. So konnte der CD-i-Player für die verschiedensten Dinge verwendet werden. Spezielle Software für Fahrschulen beispielsweise machte das Gerät besonders für diese interessant.

Die verschiedenen CD-i-Player für das CD-i-Format

Die Firma Philips war weitgehend der einzige Hersteller von CD-i-Playern. Zwar war der japanische Hersteller Sony an der Entwicklung der CD-i beteiligt, jedoch wurden die Geräte später von Philips hergestellt. Die Gerätepalette umfasste CD-i-Player, die CD-Playern glichen und in die heimische Stereoanlage integriert werden konnten, Fernsehgeräte mit eingebautem CD-i-Player sowie solche Geräte, die als Spielkonsole ausgelegt waren und eine Art Kabelfernbedienung besaßen.

Bei allen Geräten war eine Aufrüstung mit einem Steckmodul möglich, das die Wiedergabe von Video-CDs und Videosequenzen in Spielen ermöglichte. Hierbei handelte es sich um einen MPEG-1 Decoder, der sogenannten DVC (Digital-Video-Cartridge).

Auch gab es damals eine Steckkarte für den PC, die das Verwenden von CD-i Titeln auf dem Computer ermöglichte. Ein Emulator für das CD-i System ist ebenfalls im Internet erhältlich, der jedoch nur zu einer Auswahl von CD-i Titeln kompatibel ist.

Das CD-i-Format auf dem Multimedia-Markt

Trotz seiner Fähigkeiten blieb das CD-i-System ein recht seltenes Format, dessen Produktion gegen Ende der 1990er Jahre eingestellt wurde, nachdem ein paar Jahre zuvor die Verkaufszahlen erheblich geringer geworden waren. Außerdem waren zeitgleich zum CD-i-System einige Systeme anderer Hersteller auf dem Markt, welche auf anderen Plattformen basierten. Dazu zählten z.b. das CDTV und das CD32 (beide mit eingebautem CD-Laufwerk) von Commodore, die auf dem Amiga-Computer basierten und zu einem vollwertigen Computer aufgerüstet werden konnten. Allerdings konnten sich auch diese Systeme nicht auf dem Markt behaupten.

Die verschiedenen CD-i-Modelle bei den Wiedergabegeräten

Hier sind einige gängige Modelle der CD-i-Player, die seinerzeit verkauft wurden:

  • Es gab einen CD-i-Player, welcher einer Spielkonsole glich. Dieser hatte die Typenbezeichnung CD-i 450 (mehr zu diesem Gerät und dem sogenannten Timekeeper-RAM finden Sie unter dem Link). Von diesem Gerät gab es übrigens ein baugleiches von LG, das GDI 750. Weitere Geräte, die optisch CD-Playern glichen, waren der CDI 205, der CDI 210 und der CDI 220 und einige andere.
  • Daneben wurden auch tragbare Geräte mit integriertem LCD-Bildschirm gebaut, wie zum Beispiel der CDI 350 neben einigen weiteren.
  • Weitere CD-i-Player wurden für professionelle Anwendungen sowie CD-Authoring mit eingebauten Diskettenlaufwerken (CDI 600er Reihe).
  • Auch eine Stereoanlage sowie ein Fernseher waren im Sortiment enthalten, die CD-i-Player enthielten (Stereoanlage FW380i und Fernsehgerät 21TCDI30).

Über den Autor

Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.

Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor