Strom messen mit dem Multimeter – Schritt für Schritt Anleitung und typische Fehler vermeiden

Wenn Sie Strom mit dem Multimeter messen möchten, dann geschieht das oft wegen ganz banalen Problemen:

Ein Gerät funktioniert nicht richtig, eine Schaltung reagiert auf einmal komisch oder ein Akku ist plötzlich ganz schnell leer. In genau solchen Fällen lohnt sich ein genauer Blick auf den Stromfluss. Doch gerade beim Strom messen passieren die meisten Fehler.

Das liegt daran, dass sich das Messen von Strom grundlegend vom Messen der Spannung unterscheidet. Viele gehen automatisch so vor wie bei der Spannungsmessung, setzen die Messspitzen irgendwo an und wundern sich dann über falsche Werte oder im schlimmsten Fall auch über eine durchgebrannte Sicherung im Multimeter.

Aus meiner Erfahrung sind es meist die kleinen Details, die den Unterschied machen. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie Strom mit dem Multimeter richtig messen, worauf Sie dabei unbedingt achten sollten und welche typischen Fehler immer wieder auftreten. Sie erfahren auch, was Sie mit den Messergebnissen anfangen können.

Was bedeutet Strom überhaupt?

Bevor wir messen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Grundlagen. Strom ist die Bewegung von elektrischen Ladungen, also vereinfacht gesagt das, was „durch einen Leiter fließt“. Während Spannung nur den „Druck“ beschreibt, ist der Strom die tatsächliche Bewegung.

Ein wichtiger Unterschied zur Spannung:
Eine Spannung wird zwischen zwei Punkten gemessen, Strom hingegen wird durch ein Bauteil oder eine Leitung gemessen.

Das klingt zunächst abstrakt, ist aber der Schlüssel zum Verständnis.

Wenn Sie Strom messen wollen, müssen Sie das Multimeter in den Stromkreis „einschleifen“. Das bedeutet, dass der Strom durch das Messgerät hindurchfließen muss. Genau hier passieren die meisten Fehler.

Warum Strom messen anders ist als Spannung messen

Eine der häufigsten Fragen lautet: Warum kann ich Strom nicht einfach wie Spannung messen?

Der Grund ist einfach:
Beim Messen der Spannung sehen beziehungsweise messen Sie nur den (Spannungs-) Unterschied zwischen zwei Punkten. Beim Strom messen greifen Sie aber aktiv in den Stromkreis ein, da der zu messende Strom durch das Messgerät fließt.

Das Multimeter wird dabei also Teil der Schaltung. Es ist so, als würden Sie ein Stück Kabel durch das Messgerät ersetzen.

Wenn Sie versuchen, Strom parallel zu messen, wie Sie es bei Spannung tun würden, entsteht im schlimmsten Fall ein Kurzschluss. Deshalb ist es so wichtig, diesen Unterschied zu verinnerlichen.

Das Multimeter richtig einstellen

Bevor Sie mit der Messung beginnen, müssen Sie das Multimeter korrekt vorbereiten.

Stellen Sie das Gerät auf Strommessung ein. Das erkennen Sie am Symbol „A“ für Ampere. Je nach Gerät gibt es unterschiedliche Bereiche, zum Beispiel Milliampere oder Ampere.

Achten Sie dabei auch auf die Stromart:

Viele Multimeter unterscheiden zwischen Gleichstrom (DC) und Wechselstrom (AC). Wählen Sie den passenden Bereich für Ihre Anwendung. Einige einfache Geräte können ausschließlich Gleichstrom messen. Prüfen Sie im Zweifel die Beschriftung am Gerät.

Dann prüfen Sie die Anschlüsse der Messleitungen. Das ist wohl der wichtigste Schritt. Das schwarze Kabel gehört wie gewohnt in die COM-Buchse. Das rote Kabel muss jedoch mei den meisten Messgeräten in eine andere Buchse gesteckt werden, die speziell für Strommessung vorgesehen ist, zu erkennen an einem A für Ampere, der Einheit für die Stromstärke.

Das ist ein häufiger Fehler: Viele lassen das rote Kabel in der Spannungsbuchse und wundern sich über falsche Werte oder gar keine Anzeige.

Multimeter Strom messen mit den richtigen Anschlüssen
Für die Strommessung mit dem multimeter gehören die Messkabel an Com (Masse) und A (für Ampere)

Schritt für Schritt: Strom richtig messen

Damit Sie sicher messen können, gehen Sie am besten immer nach dem gleichen Schema vor.

Zuerst schalten Sie die Stromquelle aus. Das ist wichtig, damit Sie die Schaltung in Ruhe vorbereiten können.

Dann unterbrechen Sie den Stromkreis an der Stelle, an der Sie messen möchten. Das bedeutet, Sie lösen eine Verbindung, sodass der Strom dort nicht mehr direkt fließen kann.

Nun schließen Sie das Multimeter so an, dass es die unterbrochene Stelle überbrückt. Der Strom fließt jetzt durch das Messgerät. Gehen Sie dabei am besten vom Pluspol der Spannungsquelle an die rote Messleitung (verbunden mit der Amperebuchse am Multimeter) und dann über die schwarze Messleitung weiter zum Verbraucher.

Erst danach schalten Sie die Stromquelle wieder ein und lesen den Messwert ab.

Zum Schluss schalten Sie alles wieder aus und bauen die Schaltung zurück. Stecken Sie also alles wieder wie vorher zusammen und vergessen Sie nicht, die rote Messleitung wieder in die Buchse für die Spannungsmessung umzustecken (V/Ω oder ähnlich).

Diese Vorgehensweise mag zunächst etwas aufwendig erscheinen, ist aber die einzige saubere Methode. Sie vermeiden dadurch Kurzschlüsse durch Falschmessungen (Spannungsmessung, wenn die rote Messleitung noch mit dem Ampere-Anschluss verbunden ist).

Typische Anwendung: Strom in einer einfachen Schaltung messen

Ein gutes Beispiel ist eine einfache Schaltung mit Spannungsquelle und Verbraucher, hier als Beispiel ein Widerstand.

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Strom durch den Widerstand fließt, müssen Sie die Leitung zwischen Batterie und Widerstand unterbrechen.

An dieser Stelle setzen Sie das Multimeter ein. Der Strom, der normalerweise durch die Schaltung fließt, fließt jetzt auch durch das Messgerät.

Das Ergebnis zeigt Ihnen, ob die Schaltung wie erwartet arbeitet oder ob ein Problem vorliegt.

Gerade bei solchen einfachen Anwendungen bekommen Sie schnell ein Gefühl für typische Werte.

Strom messen mit dem Multimeter
Hier wird der Strom durch einen Widerstand mit 10 Ohm gemessen

Im Beispiel wurde der Strom durch einen Widerstand mit 10 Ohm an einer Spannung von 10 Volt gemessen. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Widerstand von 1 Ampere. Da der Widerstand eine gewisse Toleranz hat (hier der tatsächliche Widerstandswert etwas höher ist), verringert sich dadurch die Stromstärke etwas. dadurch kommt der gemessene Strom in Höhe von 0,965 Ampere zustande.

Auch hier wurde das Multimeter für die Strommessung mit der roten Messleitung am Plus der Spannungsquelle angeschlossen, die schwarze Messleitung führte weiter zum Widerstand.

Typische Fehler beim Strom messen

Beim Strom messen gibt es einige klassische Fehler, die immer wieder auftreten. Wenn Sie diese kennen, können Sie sie leicht vermeiden.

Ein häufiger Fehler ist das falsche Anschließen des Multimeters. Wenn das Gerät parallel statt in Reihe angeschlossen wird, entsteht ind er Regel ein Kurzschluss. Das ist so, weil das Messgerät während der Strommessung einen möglichst geringen Innenwidertsand aufweisen muss, um den Stromfluss nicht mehr als unbedingt notwendig zu beeinflussen.

Ein weiterer Fehler ist die falsche Buchse für das rote Kabel. Dadurch misst das Gerät entweder gar nicht oder zeigt falsche Werte an.

Auch der falsche Messbereich ist ein Problem. Wenn der Strom höher ist als der eingestellte Bereich, löst oft die Sicherung im Multimeter aus.

Sehr häufig wird auch vergessen, die Schaltung vor dem Umbau auszuschalten. Das kann nicht nur das Messgerät beschädigen, sondern auch gefährlich werden.

Warum zeigt das Multimeter keinen Strom an?

Eine typische Suchanfrage ist: Warum zeigt mein Multimeter keinen Strom an?

In der Regel gibt es dafür mehrere Ursachen.

Oft ist die interne Sicherung im Multimeter durchgebrannt. Das passiert schnell, wenn versehentlich zu hoher Strom gemessen wurde.

Sicherung für die Strommessung in einem Multimeter
Sicherung für die Strommessung in einem Multimeter

Eine weitere Ursache ist eine falsche Verschaltung. Wenn das Multimeter nicht korrekt in Reihe eingebaut ist, fließt kein Strom durch das Gerät.

Auch ein falscher Messbereich kann dazu führen, dass nichts angezeigt wird.

In manchen Fällen liegt es aber auch daran, dass tatsächlich kein Strom fließt. Dann ist die Messung korrekt, auch wenn das Ergebnis zunächst verwirrend erscheint.

Wie viel Strom ist normal?

Viele Einsteiger fragen sich, welche Werte überhaupt normal sind.

Das hängt stark von der Anwendung ab.

  • Eine einfache LED-Schaltung liegt oft im Bereich von wenigen Milliampere bis etwa 20 Milliampere.
  • Ein kleines elektronisches Gerät kann einige hundert Milliampere ziehen.
  • Größere Verbraucher liegen schnell im Bereich von mehreren Ampere.

Wichtig ist immer der Vergleich mit den erwarteten Werten.

Wenn eine Schaltung statt 10 Milliampere plötzlich 100 Milliampere zieht, stimmt meist etwas nicht. Wenn ein Gerät deutlich weniger Strom zieht als erwartet, kann ebenfalls ein Problem vorliegen.

Sicherheit beim Strom messen

Beim Strom messen sollten Sie besonders vorsichtig sein.

Da das Multimeter direkt in den Stromkreis eingebunden wird, kann ein Fehler schnell zu Problemen führen.

Vermeiden Sie Messungen an Netzspannung, solange Sie nicht genau wissen, was Sie tun. Hier können sehr hohe Ströme auftreten, die sowohl das Gerät als auch Sie gefährden.

Achten Sie darauf, dass alle Verbindungen sicher sind und keine offenen Kontakte berührt werden.

Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis: Wenn Sie unsicher sind, beginnen Sie immer mit dem höchsten Messbereich. So vermeiden Sie, dass das Gerät überlastet wird.

Strom messen mit dem Multimeter, typische Probleme und Lösungen

Es geht selten nur darum, einen Wert abzulesen, sondrn darum, ein Problem zu lösen.

  • Wenn ein Gerät nicht funktioniert, kann eine Strommessung helfen herauszufinden, ob überhaupt Strom fließt.
  • Wenn ein Akku oder eine Batterie schnell leer ist, können Sie prüfen, ob ein ungewöhnlich hoher Strom fließt.
  • Wenn eine Schaltung nicht wie erwartet arbeitet, zeigt der Strom oft, ob ein Bauteil falsch dimensioniert ist.

Hier zeigt sich der große Vorteil des Multimeters: Es ist nicht nur ein Messgerät, sondern ein Werkzeug für die Fehlersuche.

Ein Beispiel aus meiner Reparaturerfahrung zeigt sehr gut, wie hilfreich eine Strommessung sein kann:

In einem batteriebetriebenen Radio mit 9-Volt-Block war die Batterie nach kürzester Zeit leer, außerdem funktionierte das Gerät nicht mehr. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass die Batterie selbst defekt ist. Bei einer genaueren Überprüfung zeigte sich jedoch, dass ein ungewöhnlich hoher Strom floss, obwohl das Radio nicht mehr funktionierte. Durch gezielte Fehlersuche und weitere Messungen stellte sich schließlich heraus, dass ein Elektrolytkondensator (Elko) intern einen Kurzschluss hatte. Dieser sorgte dafür, dass permanent Strom gezogen wurde und die Batterie sehr schnell entladen wurde.

Solche Fälle sind in der Praxis gar nicht so selten und zeigen, dass eine Strommessung oft der entscheidende Hinweis auf versteckte Fehler sein kann.

Wie Sie sicherer im Umgang werden

Der Umgang mit dem Multimeter wird mit der Zeit deutlich einfacher. Wichtig ist, dass Sie praktische Erfahrung sammeln.

Beginnen Sie mit einfachen Schaltungen mit geringen Spannungen und Stromstärken und messen Sie bewusst an verschiedenen Stellen. Beobachten Sie, wie sich der Strom verändert.

Vergleichen Sie Ihre Messwerte mit den Erwartungen. So entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was normal ist.

Ein hilfreicher Ansatz ist, sich immer zu fragen:
Wo fließt der Strom gerade und warum?

Wenn Sie diese Frage beantworten können, haben Sie das Prinzip verstanden.

Die Strommessung mit dem Multimeter

Strom messen mit dem Multimeter ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Elektronik, wird aber oft unterschätzt. Der entscheidende Unterschied zur Spannungsmessung liegt darin, dass Sie aktiv in den Stromkreis eingreifen.

Wenn Sie das Prinzip einmal verstanden haben und sauber arbeiten, ist das Messen kein Problem mehr. Die meisten Fehler entstehen durch falsches Anschließen oder falsche Einstellungen.

Mit etwas Übung entwickeln Sie schnell ein Gefühl für typische Werte und können das Multimeter gezielt zur Fehlersuche einsetzen.

Und genau das ist der eigentliche Nutzen: Sie messen nicht nur Zahlen, sondern verstehen, was in Ihrer Schaltung wirklich passiert.

Wenn Sie sich noch tiefer mit dem Thema beschäftigen möchten, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen im Beitrag zum Multimeter. Dort finden Sie eine ausführliche Erklärung zu Funktionen und Einstellungen. Falls bei Ihren Messungen ungewöhnliche Werte auftreten, hilft Ihnen der Beitrag Multimeter misst falsch dabei, typische Fehler schnell zu erkennen und zu beheben. Und wenn Sie gezielt Bauteile überprüfen möchten, zeigt der Artikel zum Leckstrom messen wie sich Kondensatoren testen lassen.

Wenn Sie außerdem sehen möchten, wie weit man mit Messungen in der Praxis gehen kann, werfen Sie einen Blick in diesen eher experimentellen Beitrag über die Rambo-Methode zum Akkus testen. Das ist spannend, aber nichts, was man unüberlegt nachmachen sollte.

Über den Autor

Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.

Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor