Viele greifen zum Multimeter, wenn eine Batterie schon ziemlich zu sein scheint, eine LED nicht leuchtet oder ein Gerät plötzlich nicht mehr funktioniert und kein Lebenszeichen mehr von sich gibt.
Doch genau an diesem Punkt tauchen oft die gleichen Fragen auf:
Wo messe ich eigentlich genau, welche Einstellung ist richtig und warum zeigt das Multimeter manchmal Werte an, die nicht plausibel wirken?
Aus meiner eigenen Praxis kann ich sagen, dass viele der Probleme nicht am Gerät selbst liegen, sondern mehr an kleinen oder größeren Fehlern beim Messen. Ein falsch eingestellter Messbereich, vertauschte Messspitzen oder eine falsche Erwartung an den Messwert führen schnell zu Verwirrung.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die Spannung mit dem Multimeter richtig messen, worauf Sie achten sollten und wie Sie typische Fehler vermeiden. Und Sie erfahren auch, was Sie mit den gemessenen Werten anfangen können.
Was bedeutet Spannung überhaupt?
Bevor wir messen, ist es sinnvoll, kurz zu verstehen, was Spannung eigentlich ist. Spannung kann man sich vereinfacht als „elektrischen Druck“ vorstellen. Sie sorgt dafür, dass Strom fließen kann. Eine Batterie mit 1,5 Volt hat deshalb natürlich weniger „Druck“ als eine Autobatterie mit 12 Volt.
Wichtig ist: Spannung wird immer zwischen zwei Punkten gemessen. Das ist ein häufiger Denkfehler. Es gibt keine „Spannung an einem Punkt“, sondern immer nur zwischen zwei Punkten, zum Beispiel zwischen Plus und Minus einer Batterie.
Wenn Sie das verstanden haben, fällt das Messen deutlich leichter. Zur Veranschaulichung sehen Sie sich folgende Skizze an:

Im oberen Teil der Skizze sind mehrere Spannungsquellen in Reihe geschaltet. Jede einzelne liefert hier 1,2 Volt, sodass sich von links nach rechts eine steigende Gesamtspannung ergibt. Am Anfang sind es 0 Volt, nach der ersten Quelle etwa 1,2 Volt, nach der zweiten 2,4 Volt und so weiter bis zu 6,0 Volt am Ende der Reihenschaltung.
Das Multimeter misst in der oberen Skizze die Spannung zwischen dem ganz linken und dem ganz rechten Punkt. Es zeigt deshalb die gesamte Spannung von 6,0 Volt an. Das ist ein wichtiges Prinzip: Das Messgerät zeigt immer die Spannungsdifferenz zwischen den beiden Messspitzen.
Im unteren Teil der Skizze wird nicht die gesamte Spannung gemessen, sondern nur ein Teilbereich. Die Messspitzen sind hier zwischen zwei Punkten angesetzt, nämlich zwischen der zweiten und der dritten Batterie. Das Multimeter zeigt daher auch genau diese Teilspannung von 2,4 Volt an, welche diese beiden Batterien zusammen haben (1,2 Volt + 1,2 Volt = 2,4 Volt).
An diesem Beispiel erkennen Sie sehr gut: Sie messen hier nicht die Spannung an einem Bauteil, sondern immer den Unterschied zwischen zwei Punkten. Je nachdem, wo Sie die Messspitzen ansetzen, erhalten Sie unterschiedliche Werte. Genau dieses Prinzip sorgt oft für Verwirrung, ist aber gleichzeitig der Schlüssel zum richtigen Messen.
Das Multimeter richtig vorbereiten
Bevor Sie überhaupt messen, müssen Sie das Multimeter korrekt einstellen. Und hier passieren bereits die meisten der Fehler.
Sie stellen das Multimeter auf Spannungsmessung ein. Meistens erkennen Sie das an einem Symbol mit einem „V“. Zusätzlich müssen Sie unterscheiden, ob Sie Gleichspannung oder Wechselspannung messen.
- Gleichspannung wird oft mit „V⎓“ gekennzeichnet. Das ist wichtig für Batterien, Akkus oder Netzteile.
- Wechselspannung wird mit „V~“ gekennzeichnet. Das brauchen Sie zum Beispiel bei Steckdosen. Aber auf solche Messungen sollten Sie besser verzichten, zumindest am Anfang.
Die Messleitungen werden ebenfalls oft falsch angeschlossen. Das schwarze Kabel gehört in die COM-Buchse, das rote Kabel in die Buchse für Spannung, meist mit „V“ beschriftet.
Wenn diese drei Dinge stimmen, haben Sie die wichtigste Grundlage bereits richtig gemacht.
Hinweis zur Sicherheit und Haftung
Das Messen von Spannungen an der Steckdose (230 Volt) ist mit erheblichen Gefahren verbunden und kann bei unsachgemäßer Durchführung lebensgefährlich sein. Wenn Sie noch keine Erfahrung im Umgang mit dem Multimeter haben, sollten Sie solche Messungen unbedingt vermeiden und sich zunächst auf ungefährliche Niederspannungen wie Batterien oder Netzteile beschränken.
Alle hier gezeigten Hinweise erfolgen ohne Gewähr. Für Schäden an Geräten oder Personen, die durch unsachgemäße Anwendung entstehen, wird keine Haftung übernommen. Arbeiten Sie stets vorsichtig und nur im Rahmen Ihrer Kenntnisse.
Spannung messen – Schritt für Schritt erklärt
Jetzt kommen wir zur eigentlichen Messung. Wenn Sie sich an diese Reihenfolge halten, vermeiden Sie die meisten Fehler.
Zuerst schalten Sie das Multimeter auf die richtige Spannungsart, also Gleich- oder Wechselspannung.
Dann wählen Sie, falls nötig, den passenden Messbereich. Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie einen höheren Bereich. Moderne Multimeter machen das oft automatisch. Das nennt sich dann „Auto-Range“ oder ähnlich. Im Bild unten sehen Sie ein Multimeter mit automatischer Bereichswahl, bei dem Sie nur Gleich- oder Wechselspannung einstellen müssen. Bei Bedarf können Sie mit der Taste „Range“ auch den Messbereich manuell einstellen.
Nun setzen Sie die Messspitzen an die beiden Punkte, zwischen denen Sie messen wollen. Bei einer Batterie ist das einfach: eine Spitze an Plus, die andere an Minus.
Jetzt lesen Sie den Wert auf dem Display ab. Dieser zeigt Ihnen die Spannung in Volt an.

Ein wichtiger Punkt aus der Praxis:
Wenn Sie die Messspitzen vertauschen, zeigt das Multimeter bei Gleichspannung ein Minuszeichen an. Das ist aber kein Fehler, sondern nur eine umgekehrte Polung.
Typische Anwendung: Batterie messen
Eine der häufigsten Anwendungen ist das Messen einer Batterie. Genau hier passieren aber auch viele Missverständnisse.
Wenn Sie eine 1,5-Volt-Batterie messen, erwarten viele genau diesen Wert. In der Praxis sieht es aber anders aus.
Eine neue Batterie zeigt oft etwa 1,55 Volt. Das ist völlig normal.
Eine teilweise entladene Batterie liegt vielleicht bei 1,2 bis 1,3 Volt.
Unter etwa 1,0 Volt ist sie in den meisten Fällen leer.
Das Entscheidende ist also nicht der exakte Wert, sondern wie Sie den Messwert einordnen.
Ein häufiger Fehler ist, dass eine Batterie im Leerlauf noch gut aussieht, aber unter Belastung die Spannung einbricht. Wenn Sie es genau wissen wollen, messen Sie die Spannung, während die Batterie ein Gerät versorgt.
Gleichspannung und Wechselspannung richtig unterscheiden
Eine typische Suchfrage ist: Wann stelle ich was ein?
Die Antwort ist einfach, wenn man sich an der Quelle orientiert.
Alles, was mit Batterien, Akkus oder elektronischen Schaltungen zu tun hat, ist normalerweise eine Gleichspannung.
Alles, was aus der Steckdose kommt, ist Wechselspannung.
Ein klassischer Fehler ist, dass jemand versucht, eine Batterie im Wechselspannungsmodus zu messen. Das führt zu falschen oder sehr kleinen Werten.
Umgekehrt kann es gefährlich sein, eine Steckdose im Gleichspannungsmodus zu messen. Deshalb immer kurz überlegen: Wo kommt die Spannung her?
Eine Wechselspannung liegt zum Beispiel auch direkt am Ausgang eines Trafos an oder am Ausgang eines Netzteils, das eine Wechselspannung liefert. Siehe dazu auch folgende Abbildung, die ein solches Netzteil zeigt.

Sie erkennen das an der Tilde (~) oder an Angaben wie „AC“. Dazu können Sie sich auch an der Bezeichnung des Messbereichs am Multimeter orientieren, die ebenfalls die Tilde zeigt (V~). Im Falle einer Gleichspannung finden Sie auf Netzteilen die Bezeichnung „DC“ oder das Zeichen =, teilweise auch mit gestrichelter unterer Linie.
Typische Fehler beim Spannung messen
In der Praxis sehe ich immer wieder die gleichen Fehler. Wenn Sie diese vermeiden, sind Sie schon einen großen Schritt weiter.
Ein häufiger Fehler ist die falsche Einstellung am Multimeter. Wenn statt Spannung Strom oder Widerstand eingestellt ist, bekommen Sie entweder falsche Werte oder gar keine Anzeige.
Ein weiterer Fehler ist der falsche Messbereich. Ist dieser zu niedrig gewählt, zeigt das Gerät oft „1“ oder „OL“ an. Das bedeutet nicht, dass keine Spannung da ist, sondern dass der Bereich überschritten wurde.
Sehr oft wird auch falsch angesetzt. Die Messspitzen müssen guten Kontakt haben. Wenn Sie nur leicht auf eine oxidierte Stelle drücken, kann der Wert stark schwanken.
Und schließlich wird häufig vergessen, dass Spannung immer zwischen zwei Punkten gemessen wird. Einfach irgendwo eine Messspitze anhalten reicht nicht aus.
Warum zeigt das Multimeter falsche Werte an?
Das ist eine der häufigsten Fragen überhaupt. In vielen Fällen liegt es nicht am Gerät, sondern an der Anwendung.
Typische Ursachen sind:
- Das Multimeter ist falsch eingestellt.
- Die Messleitungen sind falsch angeschlossen.
- Es wird an der falschen Stelle gemessen.
- Der Kontakt ist schlecht.
- Die Batterie im Multimeter ist schwach.
Ein praktisches Beispiel:
Jemand misst eine Batterie und bekommt 0 Volt angezeigt. In vielen Fällen liegt das daran, dass die Messspitzen nicht richtig Kontakt haben oder das Multimeter auf Wechselspannung steht.
Deshalb lohnt es sich immer, zuerst diese einfachen Dinge zu prüfen.
Spannung messen in der Praxis
Im Alltag gibt es viele Situationen, in denen Sie Spannung messen können.
Wenn ein Gerät nicht startet, können Sie prüfen, ob überhaupt Spannung ankommt.
Leuchtet eine LED nicht, können Sie kontrollieren, ob die Versorgungsspannung vorhanden ist.
Wenn Ihnen ein Netzteil verdächtig vorkommt, können Sie die Ausgangsspannung messen.
Wichtig ist dabei immer:
Messen Sie nicht blind, sondern überlegen Sie vorher, was Sie erwarten.
Wenn ein Netzteil 12 Volt liefern soll und Sie messen 0 Volt, ist klar, dass etwas nicht stimmt.
Wenn Sie aber 11,8 Volt oder 12,8 Volt messen, ist das in der Regel völlig in Ordnung.
Genau dieses Einordnen der Werte ist das, was mit der Zeit kommt.
Sicherheit beim Messen von Spannung
Ein Punkt, den man nicht unterschätzen sollte, ist die Sicherheit.
Bei Batterien und kleinen Spannungen ist das Messen in der Regel ungefährlich. Anders sieht es bei Netzspannung aus.
Wenn Sie an einer Steckdose messen, arbeiten Sie mit etwa 230 Volt. Das ist lebensgefährlich, wenn man unvorsichtig ist.
Achten Sie darauf, nur mit isolierten Messspitzen zu arbeiten und keine blanken Kontakte zu berühren. Halten Sie die Messspitzen sicher fest und vermeiden Sie hektische Bewegungen.
Wenn Sie unsicher sind, messen Sie nicht an Netzspannung. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, sich mit dem Multimeter vertraut zu machen.
Wie Sie schnell sicherer werden
Der beste Weg, um Sicherheit zu gewinnen, ist Übung. Beginnen Sie mit einfachen Dingen.
- Messen Sie verschiedene Batterien und vergleichen Sie die Werte.
- Messen Sie ein Netzteil und prüfen Sie, ob die angegebene Spannung stimmt.
- Probieren Sie bewusst aus, was passiert, wenn Sie die Messspitzen vertauschen.
Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gefühl dafür, welche Werte normal sind und welche nicht.
Ein kleiner Tipp aus der Praxis:
Wenn Sie sich unsicher sind, messen Sie denselben Punkt mehrfach. Wenn die Werte stark schwanken, liegt oft ein Kontaktproblem vor.
Fazit: Spannung messen ist gar nicht so schwer
Spannung messen mit dem Multimeter ist keine komplizierte Sache, wenn man die Grundprinzipien verstanden hat. Wichtig ist, dass Sie wissen, was Sie messen, wie Sie das Multimeter einstellen und wie Sie die Ergebnisse einordnen.
Die meisten Fehler entstehen durch kleine Unachtsamkeiten. Eine falsche Einstellung, ein schlechter Kontakt zwichen Messspitzen und Messstellen oder eine falsche Erwartung führen schnell zu falschen Ergebnissen.
Wenn Sie sich an die hier gezeigten Schritte halten und ein wenig üben, werden Sie schnell sicherer im Umgang mit dem Multimeter. Und genau das ist die Grundlage für alles Weitere in der Elektronik.
Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, lohnt sich auch ein Blick in den ausführlichen Grundlagenartikel zum Multimeter richtig benutzen, in dem die wichtigsten Funktionen und Einstellungen im Detail erklärt werden. Sollten bei Ihren Messungen ungewöhnliche oder unplausible Werte auftreten, finden Sie im Beitrag Multimeter misst falsch typische Ursachen und Lösungen aus der Praxis. Und wenn Sie tiefer in die Diagnose von Bauteilen einsteigen möchten, zeigt Ihnen der Artikel zum Elko Leckstrom messen, wie Sie Kondensatoren gezielt überprüfen können.
Und wenn Sie einmal sehen möchten, was ich schon für Messungen durchgeführt habe, werfen Sie einen Blick in den Beitrag zum NiCd- und NiMH-Akkus testen. Dort wird es schon etwas „experimenteller“. Solche Versuche sind jedoch mit Vorsicht zu genießen und sollten nicht nachgemacht werden.
Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.
Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor




