Röhrenradio Minorette A201

Mit seiner kompakten Bauweise und dem typischen Bakelit-Gehäuse aus den späten 1950er-Jahren ist die Minorette A201 des VEB Funkwerk Dresden ein wunderbares Beispiel für die schlichte Eleganz ostdeutscher Radiofertigung: Ein sogenanntes „Kleinstsuper“, einfach, funktional, mit drei Röhren (UCH81, UBF80, UCL81), Mittelwellenempfang und direktem Netzanschluss (AC/DC-Allstromgerät).

Zum Begriff Allstromgerät eine kurze Erklärung:

Ein Allstromgerät – wie die Minorette A201 – ist ein Radiotyp, der ohne Netztrafo auskommt und direkt mit der Netzspannung betrieben wird. Der Name „Allstrom“ rührt daher, dass diese Geräte sowohl mit Wechselstrom (AC) als auch mit Gleichstrom (DC) funktionieren konnten, was in den 1950er-Jahren praktisch war, da nicht in allen Regionen ein einheitliches Stromnetz vorhanden war. Der Verzicht auf einen schweren Transformator machte die Radios günstiger und kompakter, hatte aber auch Nachteile.

Das größte Problem liegt in der fehlenden galvanischen Trennung vom Stromnetz. Je nachdem, wie der Stecker in die Steckdose gesteckt wird, können Teile des Chassis oder sogar Bedienelemente (sofern die isolierenden Knöpfe abgenommen wurden) direkt mit der Netzspannung verbunden sein. Während man bei modernen Geräten durch den Trafo oder ein Schaltnetzteil vom Stromnetz isoliert ist, liegt bei einem Allstromgerät im schlimmsten Fall die volle Netzspannung an berührbaren Teilen an. Dadurch konnte eine einfache Berührung lebensgefährlich werden. Das ist ein Risiko, das man damals in Kauf nahm, das heute aber nicht mehr als sicher gilt. Wer solche Radios heute restauriert, sollte sich dieser Besonderheit bewusst sein und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen, etwa die Verwendung eines Trenntrafos oder den Umbau auf eine sichere Netzversorgung.

Röhrenradio Minorette A201 im desolaten Zustand

Doch nun zurück zu diesem Gerät hier. Der Charme dieser kleinen technischen Rarität wurde besonders durch einen äußerlich und technisch erbärmlichen Zustand getrübt: Das Gehäuse war stark verschmutzt, die ursprüngliche Lackierung abgeblättert, teils mit etwas eigenartigen Farbüberarbeitungen. Auch die Elektronik war in einem schlechten Zustand und ohne Funktion. In diesem desolaten Zustand begann der spannende Weg der Instandsetzung oder besser gesagt des Versuchs. Auch wenn der Zustand anderes vermuten lässt, sind Röhrenradios im Allgemeinen sehr robust und können in den meisten Fällen wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt werden, was zuerst auch hier geschehen sollte. Aber hier sollte es anders kommen: Von der Reparatur des alten Röhrengerätes, das seinen Weg dann eher in die moderne Welt von MP3 und Bluetooth finden sollte. Aber eins nach dem anderen.

Rückwand Röhrenradio Minorette A201

Als das Minorette A201 bei mir ankam, war schnell klar, dass es nicht einfach nur ein wenig Pflege brauchen würde. Schon auf den ersten Blick fiel der stark beschädigte Lack auf: über die Jahre waren offenbar mehrere Schichten übereinander aufgetragen worden, die nun stellenweise abblätterten oder rissig geworden waren. Das einst elegante Gehäuse wirkte dadurch stumpf und unansehnlich. Hier ist die Rückseite mit der noch originalen Rückwand zu sehen.

Rückseite Röhrenradio Minorette A201 geöffnet

Auch im Inneren zeigte sich ein Bild des Verfalls. Viele Metallteile waren stark verrostet, lose Bauteile klapperten im Gehäuse, und eine dicke Staubschicht hatte sich über die gesamte Technik gelegt. Es war nicht ganz auszuschließen, dass der Transport zusätzlichen Schaden angerichtet hatte. Doch selbst ohne diesen hätte man von einem sehr schlechten Ausgangszustand sprechen müssen. Dieses Radio war weit entfernt von funktionstüchtig, eher ein trauriger Zeitzeuge, der dringend eine gründliche Restaurierung und liebevolle Aufarbeitung nötig hatte.

Rückseite Minorette A201

Ein Blick ins Innere der Minorette A201 ohne Netztrennung

Beim Öffnen des Gehäuses der Minorette A201 zeigte sich schnell, um was für eine Art Radio es sich handelt: ein klassisches Allstromgerät. Das bedeutet, dass das Radio ohne Netztrafo auskommt und die Röhren direkt mit der Netzspannung betrieben werden. Dieser Aufbau war in den 1950er-Jahren eine einfache und kostensparende Lösung, gilt aber aus heutiger Sicht als unsicher.

Das entscheidende Problem ist die fehlende Netztrennung. Normalerweise sorgt ein Transformator dafür, dass die Elektronik galvanisch vom Stromnetz isoliert ist. Anders ist es hier. Bei einem Allstromgerät liegt ein Teil der Schaltung potenziell direkt an der Netzspannung. Je nach Polung des Steckers können also Teile des Metallchassis und einzelne Anschlüsse im Gerät mit der vollen Netzspannung verbunden sein. Wird das Gerät zusätzlich über externe Anschlüsse oder eine Erdung mit anderen Geräten verbunden, können außerdem gefährliche Spannungen nach außen gelangen.

Damit entsteht ein erhebliches Risiko: Schon die Berührung bestimmter Teile kann lebensgefährlich sein. Bei defekten oder brüchigen Bauteilen steigt die Gefahr noch weiter. Aus diesem Grund sind solche Radios ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen heute nicht mehr für den direkten Betrieb am Stromnetz geeignet. Wer ein Allstromradio wie die Minorette A201 in Betrieb nehmen möchte, sollte sich der Risiken bewusst sein und am besten nur mit Schutztrenntrafo oder in entsprechend sicher umgebauter Form damit arbeiten. Das gilt natürlich besonders während einer Reparatur, wenn am geöffneten Gerät gearbeitet wird.

Ausgangsübertrager und Vorwiderstand in einem Röhrenradio vom Funkwerk Dresden

Defekte der Minorette A201

Leider hatte sich die Lautsprecherplatte vom Gehäuse gelöst. Das kann beim Transport oder schon früher geschehen sein. Dabei wurde der Widerstand am Ausgangsübertrager beschädigt, wahrscheinlich durch einen der beiden Anschlüsse am Vorwiderstand für die Kathodenheizung und die Skalenbeleuchtung des Radios.

Die im Minorette A201 eingesetzten Röhren tragen alle ein „U“ am Anfang ihrer Typenbezeichnung, wie etwa UCL81, UBF80 oder UCH81. Dieses „U“ weist darauf hin, dass es sich um Röhren für Serienheizung handelt. Anders als bei parallel geheizten Röhren mit gleicher Heizspannung werden hier die Heizfäden aller Röhren hintereinander geschaltet, ähnlich wie kleine Glühbirnen in einer Lichterkette. Jede Röhre benötigt eine andere Heizspannung, doch alle zusammen ergeben addiert ungefähr die Netzspannung, oder sie liegt zumindest nur etwas darunter.

Entscheidend ist dabei, dass durch jede Röhre der gleiche Heizstrom fließt. Im Fall der U-Röhren sind das standardmäßig 100 Milliampere. Benötigt eine Röhre beispielsweise 19 Volt für ihre Heizung, eine andere 12,6 Volt und eine dritte 50 Volt, so wird jede entsprechend ihres Spannungsbedarfs im Strang versorgt, und der Gesamtspannungsabfall verteilt sich über alle Heizfäden und gegebenenfalls zusätzliche Vorwiderstände. Damit funktioniert das Heizsystem ohne separaten Trafo, spart Bauteile und Platz, hat aber den Nachteil, dass die Röhrenheizung direkt am Stromnetz hängt. Das ist ein weiterer Grund, warum solche Allstromgeräte aus heutiger Sicht als unsicher gelten. Auch die Skalenlampe liegt in Reihe zur Kathodenheizung, mit einer Spannung von 12 Volt und 100 Milliampere, also wieder passend zur Serienheizung.

Ausgebautes Innenleben vom Röhrenradio Minorette A201

In diesem Bild fällt sofort der einfache Aufbau des Minorette A201 ins Auge. Links ist die Rückwand mit dem montierten Vorwiderstand für den Heizkreis und der Skalenlampe zu sehen, daneben das eigentliche Chassis (sogar schon in Form einer gedruckten Schaltung, was damals nicht selbstverständlich war) mit den drei Röhren sowie den abgeschirmten Filtern für die ZF.

Deutlich sichtbar sind die vielen Staubablagerungen und die Korrosion an den Metallteilen. Rechts im Bild sitzt der Lautsprecher, dessen Magneteinheit und Befestigung ebenfalls Spuren von Rost zeigen. Auch die Verdrahtung wirkt gealtert und teilweise spröde, was ein Hinweis darauf ist, wie viele Jahrzehnte dieses Gerät bereits hinter sich hat.

Radiochassis kleines Röhrenradio aus dem Funkwerk Dresden 1959

Dises Bild bietet einen näheren Blick auf den Bereich um die Röhren und den Drehkondensator. Gut zu erkennen ist die einfache Mechanik des Abstimmmechanismus mit dem großen Seilrad, dessen Metallteile bereits stark verrostet sind. Die Röhrenfassungen und Bauteile sind von einer dichten Staubschicht bedeckt, und an den Lötstellen sowie am Chassis zeigen sich deutlich Oxidationsspuren. Besonders auffällig ist die Korrosion an der Achse des Potentiometers im Vordergrund, die nahezu komplett vom Rost befallen ist. Dieses Bild macht deutlich, dass das Radio nicht nur äußerlich, sondern auch technisch in einem desolaten Zustand angekommen ist und umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig wären, bevor ein sicherer Betrieb wieder möglich wäre.

Der Reparaturversuch

Zunächst wollte ich das Röhrenradio wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzen, defekte Teile (etwa Kondensatoren) wechseln und es mithilfe eines Mittelwellenmodulators (es kann nur Mittelwelle empfangen) in Betrieb nehmen. Aber es waren zu viele Baustellen. Hier eine Übersicht, was sich alles für Defekte herausstellten:

  • Der Netzschalter war gebrochen und funktionierte nicht mehr.
  • Der Widerstand am Ausgangsübertrager war defekt, vermutlich wurde er mechanisch beschädigt durch lose Teile im Inneren des Radios, vielleicht beim Transport.
  • Fast alle Kondensatoren waren nicht mehr brauchbar.
  • Der Gleichrichter war defekt.
  • Die Platten am Drehkondensator waren zum Teil stark verbogen worden und verursachten Kurzschlüsse. Wer schon einmal versucht hat, so etwas zu richten, weiß, wie schwierig und aufwendig das ist.
  • Das Skalenseil ist nach den ersten Betätigungen des Senderwahlknopfes gerissen.
  • Die Skalenlampe war nach der langen Zeit durchgebrannt. Ohne diese bekommt die Kathodenheizung keine Spannung, da die Heizungen der Röhren mit der Skalenlampe und einem Vorwiderstand in Reihe geschaltet sind.
  • Einige Kontakte (etwa Sicherungshalter) und Kabelverbindungen waren marode geworden. Auch hier wären einige Arbeiten notwendig gewesen.

Zwar habe ich einige der defekten Bauteile gewechselt, und es ist mir sogar gelungen, dem Radio ein paar Töne auf Mittelwelle zu entlocken. Aber ich habe mich nach einer Weile trotzdem dazu entschlossen, es komplett umzubauen. Als erstes nahm ich mir das Gehäuse der Minorette vor, das gereinigt, von alten Lackresten so gut es ging befreit und anschließend grundiert wurde.

Innenansicht Gehäuse Röhrenradio ohne Elektronik

Umbau auf UKW-Empfang, MP3-Wiedergabe und Bluetooth

Dieses Bild zweigt das Innere des Gehäuses, nachdem alles ausgebaut wurde. Die Skalenscheibe war mit zwei seitlichen Klebestreifen von innen am Gehäuse befestigt.

Minorette Röhrenradio Gehäuse neu lackiert mit Bluetooth-Modul

Anschließend wurde das Gehäuse außen mit einer neuen Farbe versehen. Ich entschloss mich für ein mattes Blau, das meiner Meinung nach gut zu diesem Radio passt. Für die Lautsprecher wurde eine neue Holzplatte zugeschnitten (weiter unten zu sehen). Schließlich sollten zwei Lautsprecher in das Gehäuse eingebaut werden, da das Mp3-Modul Ausgänge für zwei Stereo-Lautsprecher hat. Im Bild ist bereits das MP3-Modul zu sehen.

MP3 Radio Bluetooth Modul aus China

Das Modul eine chinesischen Anbieters bietet einen UKW-Empfang, MP3-Wiedergabe von einem USB-Stick oder einer SD-Karte, Bluetooth zum Verbinden mit einem Smartphone und eine Karaokefunktion. Es passt sehr gut hinter die Öffnung für die ehemals eingeklebte Skalenscheibe der Minorette A201. Das Modul hat sogar zwei Endstufen, an welche sich direkt die Lautsprecher anschließen lassen.

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Minorette A201 mit neuem Innenleben und Bluetooth-Modul

Für einen ersten Probelauf wurde das MP3-Modul an die Lautsprecher und eine Spannungsversorgung angeschlossen. Dabei bekam ich einen großen Schrecken. Der Hersteller hatte nämlich die Lautstärke auf maximum eingestellt, dementsprechend laut wurde es bei der ersten Inbetriebnahme des Moduls.

Holzhalterung mit Bluetooth Modul

Einbau des Moduls in das Gehäuse der Minorette A201

Für den Einbau in das Radiogehäuse der Minorette A201 war das MP3-Modul an der Holzplatte zu befestigen. Diese habe ich für den Einschub in das Gehäuse vorher ausgesägt. Dazu habe ich zwei Holzstücke auf das Brettchen geklebt, die zum Befestigen des Moduls dienen sollten. Um einen Abschluss mit dem Vorderteil des Gehäuses des Radios herzustellen, habe ich anschließend zwei kleine Holzplättchen mit der Stärke des Modulgehäuses auf die Holzklötzchen geklebt und schwarz gefärbt, sodass das Ganze auch von vorne ordentlich aussieht.

Radio, MP3 und Bluetooth-Modul eingebaut in Röhrenradio

Die Lautsprecherkabel ist hier direkt an die Lautsprecherchassis angelötet. Sie können nun ganz einfach über Stecker mit dem MP3-Modul verbunden werden.

Minorette A201 Radio mit neuem Innenleben

Das Modul kommt mit einer relativ geringen Spannung aus. Da es keine allzuhohe Ausgangsleistung hervorbringen muss, reicht ein Lithium-Ionen-Akku aus. Er ist über eine Sicherung mit dem Modul verbunden. Zum Aufladen des Akkus wurde eine Ladeelektronik eingebaut. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Gerät über ein USB-Ladekabel aufladen. Außerdem habe ich eine Wurfantenne angelötet und nach außen geführt.

Minorette A201 Röhrenradio Gehäuse mit Radiomodul, MP3 Player und Bluetooth

Die Knöpfe der Minorette A201 sind außer Funktion. Ich habe sie einfach mithilfe zweier M6-Schrauben am Gehäuse befestigt. Diese habe ich mit etwas Isolierband an die Löcher im Gehäuse angepasst. Die Knöpfe passten vom Durchmesser her gut auf die Gewinde der Schrauben. Das Bild zeigt das Gerät bei einem Probelauf mit bereits eingebautem MP3-Modul.

Bluetooth in Röhrenradio einbauen, Minorette aus dem Funkwerk Dresden mit Rückseite und Ladeanschluss

Die Rückwand habe ich ebenfalls ausgewechselt, da sie nicht mehr so richtig zur neuen Optik des Gerätes passte. Für den USB-Anschluss wurde ein Ausschnitt in das Gehäuse gebohrt und passend ausgearbeitet. Das Gleiche auch für die Wurfantenne für den integrierten Empfangsteil für UKW.

Wenn Sie Gefallen daran gefunden haben, alte Radios und Röhrenverstärker wie das Minorette A201 wieder in Betrieb zu nehmen, dann lohnt es sich, noch etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Mit ein wenig zusätzlichem Wissen zu Elektronik-Reparaturen lassen sich viele Fehler schneller finden und beheben – und gerade die faszinierende Röhrentechnik wird dadurch noch verständlicher.

Dafür finden Sie hier weiterführende E-Books und Bücher:

So können Sie Ihr Wissen erweitern, sicherer reparieren und noch mehr Freude daran haben, historische Technik in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

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