Ein defekter Kondensator gehört zu den häufigsten Ursachen, wenn Netzteile, Monitore oder elektronische Schaltungen plötzlich nicht mehr richtig funktionieren.
Typische Anzeichen sind Geräte, die nicht mehr starten, sich nach kurzer Zeit wieder abschalten, ein brummender Verstärker oder instabile Spannungen in einer Schaltung.
In der Reparaturpraxis zeigt sich immer wieder:
Der Fehler ist oft nicht offensichtlich, sondern an einem gealterten oder geschwächten Kondensator zu suchen. Meist auch an einem Elektrolytkondensator (Elko). Denn diese Bauteile verlieren mit der Zeit an Kapazität oder entwickeln einen erhöhten Innenwiderstand, ohne dabei sofort komplett auszufallen.
Aus meiner Erfahrung in Reparatur, Fehlersuche und Elektronikpraxis sind Kondensatoren besonders bei älteren Geräten die ersten Bauteile, die überprüft werden sollten. Viele Fehler lassen sich bereits eingrenzen, wenn man typische Symptome richtig deutet und einfache Prüfmethoden anwendet.
ℹ Wichtiger Hinweis
Ein Kondensator muss nicht sichtbar defekt sein, um Probleme zu verursachen. Auch ohne aufgeblähtes Gehäuse oder ausgelaufenem Elektrolyt kann er elektrisch bereits außerhalb seiner Spezifikation arbeiten und Fehlfunktionen auslösen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie einen Kondensator prüfen. Das reicht von der Sichtprüfung über einfache Messungen mit dem Multimeter bis hin zur richtigen Interpretation der Ergebnisse. Sie lernen, typische Fehlerbilder zu erkennen und einzuschätzen, ob ein Kondensator tatsächlich die Ursache für den Defekt ist.
Der unterschätzte Hauptverdächtige: Warum Kondensatoren so oft schuld sind
Wenn ein Gerät ohne erkennbaren äußeren Anlass aufhört zu funktionieren, also ohne Sturz, Wasserschaden oder Überlastung, dann stehen in vielen Fällen Kondensatoren hinter dem Defekt.
Das gilt für PC-Netzteile, die plötzlich nicht mehr starten oder für Flachbildmonitore, die sich nach dem Einschalten sofort wieder ausschalten. Auch Verstärker, die anfangen zu brummen, könnne defekte Elektrolytkondensatoren enthalten. Oft sind es auch Steuerplatinen, die sporadisch ausfallen. In all diesen Fällen ist der Kondensator, besonders der Elektrolytkondensator oder kurz Elko, einer der häufigsten Schuldigen.
Ein defekter Kondensator zeigt sich durch ein schleichendes Nachlassen. Die Schaltung funktioniert noch, aber nicht mehr richtig. Sie wird instabiler, reagiert empfindlicher auf Temperaturen, startet mal und mal nicht. Wer dieses Muster kennt, denkt sofort an Kondensatoren. Wer es nicht kennt, sucht oft viel zu lange an der falschen Stelle.
Lesen sie hier, wie Sie einen Kondensator und insbesondere einen Elko gezielt prüfen können: zuerst mit den Augen, dann mit dem Multimeter, und schließlich mit dem Verständnis dafür, was die Messwerte wirklich bedeuten. Denn auch hier gilt das Grundprinzip jeder guten Elektronikdiagnose: Wer versteht, was er misst, misst besser.
Was ein Kondensator macht und warum sein Versagen so heimtückisch ist
Ein Kondensator ist ein Bauteil, das elektrische Energie in einem elektrischen Feld speichern kann. In seiner einfachsten Form besteht er aus zwei leitenden Platten, die durch ein Dielektrikum, also ein isolierendes Material, voneinander getrennt sind.

Wird eine Spannung angelegt, lädt sich der Kondensator auf; wird die Spannung abgeschaltet, gibt er die gespeicherte Energie wieder ab. Diese Fähigkeit, Energie kurzzeitig zu speichern und abzugeben, macht ihn in Schaltungen vielseitig einsetzbar.
- In Netzteilen glätten Kondensatoren die pulsierende Gleichspannung nach dem Gleichrichter.
- In einem Verstärker entkoppeln sie Gleichspannungsanteile von Wechselspannungssignalen.
- In Mikrokontrollerschaltungen puffern sie kurzzeitige Lastspitzen.
- In Schaltnetzteilen sind sie Teil des Regelkreises.
Kurz: Kondensatoren übernehmen in fast jeder Schaltung eine kritische Funktion. Und genau deshalb wirken sich Defekte so schnell auf das Gesamtverhalten aus.
Das Heimtückische am Kondensatorausfall ist, dass er sich oft nicht als vollständiger Ausfall zeigt, sondern als Verschlechterung. Ein Elko mit nachlassender Kapazität glättet die Ausgangsspannung eines Netzteils noch, aber irgendwann nicht mehr gut genug. Das Netzteil liefert noch Spannung, aber mit einer Restwelligkeit, die Digitalschaltungen stören oder Audioverstärker brummen lässt. Für jemanden, der nur die Spannung mit dem Multimeter prüft, sieht noch alles in Ordnung aus.
„Ein Kondensator muss nicht offen oder kurzgeschlossen sein, um eine Schaltung in der Funktion zu beeinträchtigen. Er muss nur schlechter werden.“
Welche Kondensatortypen besonders häufig defekt werden
Nicht alle Kondensatortypen altern gleich schnell oder zeigen dieselben Ausfallmuster. Für die praktische Fehlersuche ist es hilfreich zu wissen, welche Typen besonders anfällig sind und warum das so ist.
Kondensatortypen und typisches Ausfallrisiko
Ausfallrisiko: Hoch
Flüssiger Elektrolyt altert, verdunstet und verliert Kapazität. Häufigste Defektursache in Netzteilen und Monitoren.
Ausfallrisiko: Hoch (bei Überspannung)
Kann bei Überspannung oder falscher Polung abrupt ausfallen. Typisches Fehlerbild ist ein Kurzschluss*.
Ausfallrisiko: Gering
Sehr langlebig. Defekte entstehen meist durch mechanische Schäden oder Überspannung.
Ausfallrisiko: Mittel (mechanisch)
Elektrisch stabil, aber empfindlich gegenüber mechanischer Belastung. Risse oft schwer sichtbar.
Ausfallrisiko: Gering
Moderne Bauform ohne flüssigen Elektrolyt. Deutlich langlebiger und stabiler.
Ausfallrisiko: Mittel
Direkt an der Netzspannung. Altert durch Überspannungsspitzen, oft mit Schmorgeruch.
Für die Praxis bedeutet das: Die erste Aufmerksamkeit bei der Fehlersuche gilt den Elektrolytkondensatoren. Sie sind in Netzteilen und Platinen am zahlreichsten vertreten, altern am schnellsten und zeigen die meisten optisch sichtbaren Defektzeichen. Alle anderen Kondensatortypen sind in der Alltagspraxis seltener schuld – kommen aber als Ursache durchaus vor, besonders wenn keine Elkos auffällig sind.
*Lesen Sie in diesem Beitrag über Strom messen mit dem Multimeter von einem typischen Fehler, verursacht von einem defekten Tantal-Kondensator.
Kondensator defekt erkennen: Die optische Prüfung zuerst
Die gute Nachricht für alle, die einen Kondensator prüfen möchten: In vielen Fällen brauchen Sie kein Messgerät. Ein defekter Elko zeigt seinen Zustand oft offen und für jeden sichtbar. Die optische Prüfung ist deshalb immer der erste Schritt. Denn sie kostet keine Messung, dauert nur ein paar Sekunden und hat eine hohe Trefferquote.
Elektrolytkondensator prüfen – optische Merkmale
✅ Einwandfreier Elko
- Flacher, ebener Deckel
- Keine Verfärbungen
- Gehäuse intakt, nicht verformt
- Kein Austritt von Elektrolyt
- Lötstellen blank und fest
❌ Defekter Elko
- Gewölbter oder aufgebeulter Deckel
- Braune Verfärbung am Deckel
- Sichtbarer Elektrolytaustritt
- Verbrannte oder dunkel verfärbte Platine darunter
- Risse in der Hülle oder geplatztes Gehäuse
Das auffälligste und zuverlässigste Merkmal eines defekten Elkos ist der gewölbte Deckel. Im Inneren jedes Elektrolytkondensators ist ein Sollbruchpunkt eingearbeitet. Das ist ein kreuzförmiger oder sternförmiger Schlitz auf dem Deckel, der bei Überdruck aufreißt, bevor der Kondensator platzen kann. Beult sich der Deckel nach oben, ist dieser Überdruck entstanden. Und das ist ein sicheres Zeichen für einen Defekt, auch wenn der Schlitz noch nicht vollständig geöffnet ist.

Etwas weniger offensichtlich, aber genauso verlässlich: Verfärbungen am Deckel oder auf der Platine rund um den Kondensator. Ausgetretener Elektrolyt ist eine übelriechende, bräunliche Flüssigkeit, die auf der Platine gut sichtbar ist und unter Umständen benachbarte Leiterzüge beschädigt. Wenn Sie auf der Platine diese Verfärbungen sehen, liegt der Schultige bereits vor Ihnen. Und das ohne eine einzige Messung.
✔ Praxistipp
Verwenden Sie beim Prüfen einer Platine eine kleine Taschenlampe und halten Sie sie flach über die Oberfläche. So werfen die Kondensatordeckel Schatten, und selbst geringe Wölbungen werden sofort sichtbar. Diese Technik kostet außer ein wenig Zeit nichts und macht viele Defekte auf den ersten Blick erkennbar.
Was Sie bei SMD-Kondensatoren optisch prüfen können
Bei SMD-Keramikkondensatoren (flache, chip-artige Bauteile) sind optische Defekte deutlich schwerer zu erkennen. Risse verlaufen oft quer durch das Keramikgehäuse, sind aber mit bloßem Auge kaum sichtbar. Hilfreich ist eine Lupe oder ein Kameramikroskop. Achten Sie auf gebrochene Kanten, aufgelöste Lötstellen oder eine braune Verfärbung des Gehäuses. Letzteres deutet auf thermisch bedingte Defekte hin.
Typische Symptome eines defekten Kondensators im Gerät
Bevor Sie ein Gerät öffnen und einzelne Bauteile prüfen, lohnt es sich, das Verhalten des Geräts selbst zu beobachten. Bestimmte Symptome sind so charakteristisch für Kondensatorprobleme, dass sie bereits eine starke Diagnoserichtung vorgeben.
Das klassischste Symptom ist das Starten nach einer Wartezeit: Das Gerät funktioniert zunächst nicht, nach einigen Minuten oder einer Stunde jedoch plötzlich doch. Das deutet auf einen Kondensator hin, dessen Kapazität so stark gesunken ist, dass er erst nach einer gewissen Aufladungszeit die notwendige Pufferfunktion übernehmen kann. Sobald das Gerät warm wird, kann sich das Verhalten erneut umkehren.
Ein weiteres typisches Muster: Das Gerät funktioniert im kalten Zustand, versagt aber nach dem Aufwärmen. Hier liegt oft ein Kondensator zugrunde, dessen Elektrolyt bei Wärme weiter verdampft und dessen Kapazität bei erhöhter Temperatur stark einbricht. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich. Manche defekten Elkos arbeiten warm besser als kalt.
Audioverstärker mit defekten Koppelkondensatoren zeigen ein spezifisches Symptom: ein tiefes Brummen, das genau mit der Netzfrequenz (50 Hz) oder deren Oberwellen korrespondiert. Das liegt daran, dass ein geschwächter Siebelko die 100-Hz-Welligkeit der gleichgerichteten Netzspannung nicht mehr ausreichend filtert, und diese Welligkeit ins Ausgangssignal durchdringt.
🔵 Praxisbeispiel: Der Monitorklassiker
Ein Flachbildmonitor schaltet sich unmittelbar nach dem Einschalten wieder ab. Die Hintergrundbeleuchtung
flackert kurz auf, dann bleibt das Bild dunkel. Dieses Fehlerbild ist in der Reparaturpraxis sehr häufig
mit geschwächten Elektrolytkondensatoren im Netzteil verbunden.
Erfahrene Techniker tauschen in solchen Fällen oft vorsorglich alle Elkos auf der Netzteilplatine.
Besonders bei Geräten im Alter von etwa drei bis acht Jahren ist diese Maßnahme in vielen Fällen bereits ausreichend.
Auffällig ist dabei: Die Kondensatoren zeigen äußerlich oft keine sichtbaren Schäden, weisen aber im ESR-Messgerät
deutlich erhöhte Werte auf.
Elko prüfen mit dem Multimeter – was möglich ist und was nicht
Das Multimeter ist das erste Messgerät, nach dem die meisten Einsteiger greifen – und das ist grundsätzlich richtig. Für die Kondensatorprüfung hat es jedoch klare Grenzen, die Sie kennen müssen, um Fehlschlüsse zu vermeiden.
Was ein normales Multimeter beim Kondensator messen kann: Es kann prüfen, ob ein Kondensator kurzgeschlossen ist (Widerstandsmessung zeigt 0 Ω), ob er komplett offen ist (keine Ladung, Widerstand bleibt dauerhaft auf OL), und, wenn das Gerät eine Kapazitätsmessfunktion hat, ob seine Kapazität noch im Nennbereich liegt. Siehe dazu auch die Abbildung weiter oben, die ein Multimeter bei der Kapazitätsmessung zeigt.
Was ein normales Multimeter aber nicht messen kann: den ESR (äquivalenter Serienwiderstand), welcher der aussagekräftigste Parameter für den Zustand eines Elkos ist. Ein Elko kann eine normale Kapazität haben und trotzdem defekt sein, wenn sein ESR zu hoch ist. Das Multimeter wird diesen Defekt nicht erkennen.
Wenn Sie mehr über den ESR erfahren möchten, schauen Sie Sich den Beitrag über Elkos und den ESR an.
Multimeter-Prüfung: Was messbar ist – und was nicht
| Prüfmethode | Erkennt | Erkennt nicht |
|---|---|---|
| Widerstandsmessung |
Kurzschluss (≈ 0 Ω) Totale Unterbrechung (OL) |
Kapazitätsverlust ESR-Erhöhung |
| Kapazitätsmessung (nur mit C-Funktion) |
Kapazitätsverlust (< 80 %) |
ESR-Erhöhung Induktivität |
| Diodentest (bei gepolten Kondensatoren) |
Grobe Leckage (bei Elkos) |
Kapazitätsverlust ESR-Erhöhung |
| ESR-Messgerät (Spezialgerät) |
ESR-Erhöhung (zuverlässig) Auch im eingebauten Zustand |
– |
Der einfache Auflade-Test mit dem Ohmmeter
Eine klassische Schnellprüfung, die auch ohne Kapazitätsmessfunktion funktioniert: Stellen Sie das Multimeter auf den höchsten Ohm-Bereich (oder Autorange) und legen Sie die Messleitungen an den bereits entladenen Kondensator.
Bei einem funktionierenden Elko mittlerer oder größerer Kapazität werden Sie beobachten, wie der angezeigte Widerstand zunächst niedrig ist und dann langsam steigt. Das ist so, weil das Messgerät den Kondensator mit seinem internen Messstrom auflädt. Je größer die Kapazität, desto langsamer steigt der Wert. Am Ende sollte ein sehr hoher Wert (mehrere MΩ oder OL) angezeigt werden. Das bedeutet, der Kondensator ist jetzt komplett aufgeladen und zeigt keinen Kurzschluss.
Zeigt das Gerät sofort 0 Ω oder bleibt dauerhaft auf einem sehr niedrigen Wert, bedeutet das: Kurzschluss, der Kondensator ist defekt. Zeigt es sofort OL ohne jede Aufladeverzögerung: offener Kondensator, ebenfalls defekt. Dieser Test ist grob und erkennt keine Kapazitätsverluste oder ESR-Probleme. Aber er ist schnell, einfach und ohne spezielle Messtechnik durchführbar.
⚠ Wichtig vor jeder Messung
Kondensatoren müssen vor der Prüfung vollständig entladen sein. Größere Elektrolytkondensatoren aus Netzteilen
können auch nach dem Abschalten noch Spannungen von mehreren hundert Volt speichern.
Entladen Sie diese immer über einen geeigneten Vorwiderstand (z. B. 1 kΩ, 10 W) und niemals durch direktes
Kurzschließen. Dabei kann ein Lichtbogen entstehen, der den Kondensator beschädigt und ein Sicherheitsrisiko darstellt.
Kondensator messen: Kapazitätsmessung mit dem Multimeter
Viele moderne Multimeter verfügen über eine Kapazitätsmessfunktion, die auf dem Drehschalter mit dem Symbol „F“ (Farad) oder „nF/μF“ gekennzeichnet ist. Mit ihr können Sie direkt prüfen, ob die Kapazität eines Kondensators noch dem aufgedruckten Nennwert entspricht.
Das Vorgehen ist einfach:
- Kondensator aus der Schaltung ausbauen (oder mindestens ein Bein anlöten),
- dann entladen,
- den Messbereich entsprechend dem aufgedruckten Wert wählen
- und schließlich die Messleitungen an die Kondensatoranschlüsse halten.
Bei gepolten Kondensatoren (Elkos) muss die rote Messleitung (+) am Pluspol und die schwarze (-) am Minuspol anliegen. Der Minuspol ist am Elko durch einen Streifen mit Minuszeichen gekennzeichnet, und das entsprechende Beinchen ist (bei einem neuen Elko, der noch nicht eingebaut war) kürzer.
Den Messwert auswerten
Was ist ein akzeptables Ergebnis? Als Faustregel gilt: Der gemessene Wert sollte zwischen 80 % und 120 % des aufgedruckten Nennwerts liegen. Ein 100-μF-Elko sollte also zwischen 80 μF und 120 μF messen.
Werte darunter, besonders unter 70 % des Nennwerts, deuten auf deutlichen Kapazitätsverlust hin und rechtfertigen einen Austausch, auch wenn der Kondensator optisch unauffällig ist.
Beachten Sie dabei: Die Toleranz vieler Elkos beträgt werkseitig bereits ±20 %. Das bedeutet, ein neuer 100-μF-Elko kann schon ab Werk zwischen 80 μF und 120 μF liegen. Wenn Sie also einen Elko messen und 85 μF ablesen, könnte das normal oder könnte es ein Defekt sein, je nachdem, ob der Kondensator neu oder bereits einige Jahre alt ist.
ESR-Messung: Warum die Kapazität allein oft täuscht
Der ESR, der äquivalente Serienwiderstand, ist der wichtigste Parameter für den Zustand eines Elektrolytkondensators im Betrieb. Er beschreibt den ohmschen Widerstand, den der Kondensator dem Wechselstrom entgegensetzt. Ein neuer, hochwertiger Elko hat einen sehr niedrigen ESR von oft weniger als 0,1 Ω. Ein gealterter oder defekter Elko kann einen ESR von mehreren Ohm oder sogar Zehn-Ohm-Werten haben.
Warum ist das so wichtig? Weil ein hoher ESR bedeutet, dass der Kondensator bei schnellen Laständerungen nicht mehr schnell genug Strom aufnehmen oder abgeben kann. In einem Netzteil führt das zu einer verschlechterten Spannungsregulierung unter Last. Im Schaltnetzteil kann es den Regelkreis destabilisieren. In einer Audioschaltung erzeugt es Verzerrungen. Und das alles, obwohl die Kapazität noch fast im Nennbereich liegt.
Ein normales Multimeter misst den ESR nicht. Dafür brauchen Sie ein ESR-Messgerät. Das ist ein Spezialgerät, das Wechselstrom mit hoher Frequenz durch den Kondensator schickt und den resultierenden Spannungsabfall auswertet.
Der große Vorteil: Viele ESR-Messgeräte können Kondensatoren sogar im eingebauten Zustand messen, weil der Messstrom zu gering ist, um Parallelwiderstände in der Schaltung nennenswert zu beeinflussen.
| Prüfmethode | Werkzeug | Erkennt Kapazitätsverlust | Erkennt ESR-Defekt | Im eingebauten Zustand |
|---|---|---|---|---|
| Sichtprüfung | Augen, Lupe | Teilweise | Teilweise | Ja |
| Auflade-Test (Ω) | Multimeter | Nein | Nein | Nein |
| Kapazitätsmessung | Multimeter mit C-Funktion | Ja | Nein | Nein |
| ESR-Messung | ESR-Messgerät | Teilweise | Ja | Ja (oft) |
| Kombination C + ESR | Kombi-Tester / LCR-Meter | Ja | Ja | Teilweise |
Für Einsteiger, die gelegentlich Netzteile oder Platinen reparieren, ist ein günstiges ESR-Messgerät eine lohnende Anschaffung. Es kostet deutlich weniger als ein neues Multimeter und ermöglicht Diagnosen, die mit keinem anderen einfachen Werkzeug möglich sind. Wer regelmäßig Reparaturen durchführt, wird schnell merken, dass der ESR-Wert oft aussagekräftiger ist als der Kapazitätswert allein.
Auch mit einem Bauteiletester lassen sich Kondensatoren und Elkos überprüfen, wie die folgende Abbildung zeigt.

Schritt für Schritt: Kondensator systematisch prüfen
Mit dem Wissen aus den vorangegangenen Abschnitten lässt sich eine strukturierte Prüfroutine aufbauen, die von der einfachsten zur zuverlässigsten Methode führt:
1. Gerät spannungslos schalten und Kondensatoren entladen
Versorgung trennen, bei Netzteilen mindestens 10 Minuten warten. Größere Elkos über einen Vorwiderstand (1 kΩ, 10 W) gezielt entladen. Erst dann weiterarbeiten.
2. Sichtprüfung aller Kondensatoren
Mit Taschenlampe und Streiflicht alle Elkos auf gewölbte Deckel, Verfärbungen, Elektrolytaustritt und Risse prüfen. Auffällige Kandidaten markieren. SMD-Kondensatoren bei Bedarf mit Lupe prüfen.
3. Auflade-Test mit dem Multimeter (grobe Prüfung)
Multimeter auf hohen Ohm-Bereich, Messleitungen anlegen. Widerstand sollte ansteigen und bei hohem Wert / OL enden. Sofortiger Kurzschluss (0 Ω) oder keinerlei Reaktion = defekt.
4. Kapazitätsmessung (wenn Multimeter C-Funktion hat)
Kondensator ausbauen oder mindestens ein Bein anlöten. Kapazität messen und mit Aufdruck vergleichen. Unter 80 % des Nennwerts: Austausch empfohlen. Achtung: Normale Kapazität schließt ESR-Defekt nicht aus.
5. ESR-Messung (wenn ESR-Gerät verfügbar)
ESR-Wert im eingebauten oder ausgebauten Zustand messen. Vergleich mit Herstellerangaben oder Richtwerten (typisch: unter 0,5 Ω für Netz-Elkos, unter 0,1 Ω für HF-Elkos). Erhöhter ESR = Austausch.
6. Austausch und erneute Prüfung
Defekte Kondensatoren gegen Bauteile gleicher oder höherer Spannungsfestigkeit und gleicher oder niedrigerer ESR-Klasse ersetzen. Nach dem Einbau erneute Funktionsprüfung des Geräts unter kontrollierten Bedingungen.
ℹ Hinweis zum Austausch
Tauschen Sie Elektrolytkondensatoren immer gegen Bauteile mit mindestens gleicher Kapazität und gleicher
oder höherer Spannungsfestigkeit aus. Verwenden Sie nach Möglichkeit Low-ESR-Typen, insbesondere in
Schaltnetzteilen.
Achten Sie außerdem darauf, dass die Bauform (Höhe und Durchmesser) zum vorhandenen Platinenlayout passt.
Qualitätsmarken wie Panasonic, Nichicon oder Rubycon bieten in der Regel eine deutlich höhere Lebensdauer
als einfache No-Name-Ersatzteile.
Sehen, messen, verstehen – in dieser Reihenfolge
Die Prüfung eines Kondensators ist in vielen Fällen einfacher, als sie auf den ersten Blick erscheint und gleichzeitig tiefgründiger, als viele Einsteiger vermuten. Die Sichtprüfung liefert in einem erstaunlich hohen Anteil der Fälle bereits die Antwort. Das Multimeter ergänzt die Diagnose um Kapazitätswerte. Und das ESR-Messgerät erschließt die Fehlerklasse, die kein anderes einfaches Werkzeug erkennt.
Was sich durch alle drei Methoden zieht, ist dasselbe Grundprinzip: Ein Kondensator muss nicht offen oder kurzgeschlossen sein, um eine Schaltung in ihrer Funktion zu beeinträchtigen. Er muss nur schlechter werden als der Schaltungsdesigner es vorgesehen hat. Das Verständnis dieser Idee, dass Bauteile schrittweise versagen können, ohne vollständig auszufallen, ist der Schlüssel zu einer guten Diagnose.
Wer einmal verstanden hat, warum ein Elko altert, wie sein ESR mit dem Zustand des Elektrolyts zusammenhängt und warum eine korrekte Kapazität noch kein Gesundheitszeugnis ist, der denkt bei jedem unerklärlichen Gerätedefekt als Erstes an die kleinen, unscheinbaren Zylinder auf der Platine. Und liegt damit in der Praxis überraschend oft richtig.
Kondensator prüfen – das Wichtigste auf einen Blick
Defekte Kondensatoren sind einer der häufigsten Gründe für unerklärliche Geräteausfälle. Mit der richtigen Prüfroutine lassen sie sich zuverlässig identifizieren. Und das sehr oft schon mit bloßem Auge.
- Sichtprüfung zuerst: Gewölbter Deckel, Elektrolytaustritt und Verfärbungen sind klare Defektsignale.
- Streiflicht mit Taschenlampe macht auch geringe Wölbungen sichtbar.
- Auflade-Test mit dem Ohmmeter erkennt Kurzschluss und offene Unterbrechung.
- Kapazitätsmessung mit dem Multimeter: Unter 80 % des Nennwerts = Austausch empfohlen.
- Normale Kapazität schließt einen ESR-Defekt nicht aus – der häufigste Fehler bei der Kondensatorprüfung.
- ESR-Messgeräte sind die zuverlässigste Methode und ermöglichen oft Messung im eingebauten Zustand.
- Kondensatoren immer vollständig entladen, bevor gemessen oder getauscht wird.
- Ersatz: gleiche oder höhere Spannungsfestigkeit, Low-ESR-Typ bevorzugen, Qualitätsmarken wählen.
- Symptome wie intermittierendes Starten, Brummen oder temperaturabhängiges Versagen sind starke Hinweise auf Kondensatorprobleme.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Ausbildung und Information. Arbeiten an netzspannungsführenden Geräten sind nur durch qualifiziertes Fachpersonal durchzuführen. Siehe auch folgender Warnhinweis.
⛔ Achtung: Lebensgefahr bei Netzspannung
Arbeiten an Geräten mit Netzspannung (230 V) sind potenziell lebensgefährlich.
Bereits kleine Fehler können zu schweren Verletzungen oder tödlichen Stromschlägen führen.
Messen Sie an der Primärseite von Netzteilen nur mit geeigneter Ausrüstung, wie z. B. einem Trenntransformator.
Verwenden Sie ausschließlich intakte Messleitungen und achten Sie auf sichere Kontaktpunkte.
Wenn Sie unsicher sind, führen Sie keine Messungen unter Spannung durch. Die Sicherheit hat immer Vorrang.
Zuverlässige Messergebnisse setzen ein korrekt arbeitendes Messgerät voraus, wie im Beitrag Multimeter misst falsch erläutert. Der Zustand von Elektrolytkondensatoren, insbesondere ihr Verhalten unter Spannung, wird im Beitrag Elko Leckstrom messen beschrieben. Beide Aspekte stehen in direktem Zusammenhang mit der Funktion von Stromversorgungen, die im Beitrag Netzteile verstehen weiter erläutert werden.
Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.
Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor




