Reparatur eines Schwarzweißfernsehers Imperial FT493 mit Telefunken-Chassis CH211
Ein historischer Röhrenfernseher lässt sich nur selten mit wenigen Handgriffen wieder in Betrieb nehmen. Selbst wenn ein Gerät äußerlich gut erhalten erscheint, haben viele Bauteile über Jahrzehnte hinweg Alterungsprozesse durchlaufen. Elektrolytkondensatoren trocknen aus, Widerstände verändern ihren Wert und Kontaktprobleme treten häufig erst nach längerer Erwärmung auf. Gerade deshalb gehört die Restaurierung alter Elektronik zu den spannendsten Bereichen der Fernsehtechnik. Jede Reparatur gleicht einer kleinen Spurensuche, bei der systematisches Vorgehen wichtiger ist als das vorsorgliche Austauschen möglichst vieler Bauteile.
Der hier vorgestellte Imperial FT493 ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Der Schwarzweißfernseher stammt aus den frühen 1970er Jahren und besitzt ein Chassis, das einigen (Fernseh-) Sammlern vielleicht bekannt vorkommen dürfte. Hinter dem Markennamen Imperial verbirgt sich nämlich das Telefunken-Chassis CH211, das nahezu unverändert auch in mehreren Telefunken-Fernsehern, darunter dem Telefunken FE230LS, verwendet wurde. Diese technische Verwandtschaft ist heute ein großer Vorteil, denn originale Serviceunterlagen für Imperial-Geräte sind deutlich seltener zu finden als die entsprechenden Telefunken-Dokumentationen.
Im folgenden Werkstattbericht wird die komplette Fernseher Reparatur dokumentiert. Angefangen bei der ersten Sichtprüfung über die vorsichtige Inbetriebnahme mit einem Regeltrafo bis hin zur eigentlichen Fehlerdiagnose, die schließlich einen unscheinbaren, hochohmig gewordenen Widerstand als Ursache eines zunächst rätselhaften Fehlers entlarvte.

Imperial FT493 und Telefunken CH211: Mehr Gemeinsamkeiten als zunächst sichtbar
Wer den Gehäusedeckel des Imperial FT493 abnimmt, erkennt schnell, dass dieser Imperial Fernseher keine vollständige Eigenentwicklung ist. Bereits die Anordnung der Baugruppen, die Leiterplatten, die Verdrahtung und selbst die Gestaltung der Bedienelemente erinnern stark an zeitgleiche Schwarzweißfernseher von Telefunken.
Der Grund dafür ist das verbaute Chassis CH211. Telefunken entwickelte dieses Chassis Anfang der 1970er Jahre für mehrere Gerätegenerationen. Neben verschiedenen Telefunken-Modellen kam es auch bei anderen Herstellern zum Einsatz, die komplette Chassis oder einzelne Baugruppen übernahmen.
Für heutige Restauratoren ist das ein großer Vorteil. Ersatzteile, Schaltpläne und technische Informationen sind dadurch wesentlich einfacher zu beschaffen. Im vorliegenden Fall erwies sich insbesondere der Schaltplan des Telefunken FE230LS später als unverzichtbare Hilfe bei der Fehlersuche.
Technisch handelt es sich beim CH211 um ein klassisches Transistorchassis für Schwarzweißfernseher. Die Bildröhre wird über eine diskret aufgebaute Schaltung angesteuert, sämtliche Baugruppen sind übersichtlich angeordnet und lassen sich vergleichsweise gut messen. Gerade diese Servicefreundlichkeit macht das Chassis bis heute bei Sammlern und Restauratoren beliebt.

Vor der ersten Inbetriebnahme: nicht ohne eine Sichtprüfung vorzunehmen
Wer einen solch alten Fernseher nach Jahrzehnten einfach an die Steckdose anschließt, riskiert nur unnötige Schäden. Viele Bauteile altern unabhängig davon, ob das Gerät benutzt wurde oder jahrzehntelang im Keller stand. Dann manchmal sogar noch schneller. Besonders Elektrolytkondensatoren verändern ihre Eigenschaften bereits durch die reine Lagerung.
Deshalb begann die Restaurierung nicht mit dem Einschalten, sondern mit einer gründlichen Sichtprüfung.
Zunächst wurde das Chassis grob (aber vorsichtig) von Staub und losem Schmutz befreit. Anschließend erfolgte eine sorgfältige Kontrolle aller gut zugänglichen Bauteile.
Besonderes Augenmerk galt dabei folgenden Punkten:
- ausgelaufenen oder aufgeblähten Elektrolytkondensatoren
- verfärbten Widerständen
- gebrochenen Leiterbahnen
- gelockerten Steckverbindungen
- kalten Lötstellen
- früheren Reparaturversuchen
Gerade der letzte Punkt ist bei historischen Fernsehern wichtig. Nachträglich eingebaute Bauteile oder fehlerhafte Verdrahtungen erschweren eine Fehlerdiagnose erheblich. Der Imperial FT493 schien aber noch original zu sein. Es waren keine auffälligen Veränderungen oder Bastelspuren erkennbar.
Arbeitet man an einem weitgehend unveränderten Gerät, lassen sich Fehler anhand des Schaltplans deutlich einfacher eingrenzen.
Alte Röhrenfernseher sicher einschalten: Der Regeltrafo als wichtigstes Hilfsmittel
Die erste Inbetriebnahme eines Röhrenfernsehers entscheidet häufig darüber, ob die anschließende Restaurierung erfolgreich verläuft oder dabei sogar zusätzliche Schäden entstehen.
In der Werkstatt wird deshalb grundsätzlich ein Regeltrafo verwendet. Anders als beim direkten Anschluss an das Stromnetz lässt sich damit die Netzspannung langsam und kontrolliert erhöhen. Gleichzeitig können Stromaufnahme und Spannungen kontinuierlich beobachtet werden.
Gerade Netzteilelkos profitieren von dieser Vorgehensweise. Während der jahrzehntelangen Lagerung kann sich die Oxidschicht im Inneren teilweise abbauen. Steigt die Betriebsspannung langsam an, besteht zumindest eine gewisse Chance, dass sich diese Schicht wieder teilweise regeneriert. Gleichzeitig erkennt man ungewöhnlich hohe Ströme frühzeitig und kann den Einschaltvorgang sofort abbrechen.
Für die Restaurierung alter Elektronik gehört ein Regeltrafo deshalb zur Grundausstattung. Er ersetzt zwar keine sorgfältige Sichtprüfung, reduziert das Risiko kostspieliger Folgeschäden jedoch erheblich.
Auch der Imperial FT493 wurde ausschließlich über den Regeltrafo erstmals in Betrieb genommen.
Anfangs verlief alles unauffällig. Mit steigender Netzspannung wurde jedoch deutlich, dass etwas nicht stimmte.
Bereits bei ungefähr 100 Volt zeigte das Strommessgerät rund einen Ampere an. Für einen Schwarzweißfernseher dieser Leistungsklasse war das eindeutig zu viel. Noch bevor die Netzspannung weiter erhöht werden konnte, trat die eigentliche Ursache sichtbar zutage.

Der Netzteilelko gibt auf
Nur wenige Sekunden später trat Elektrolyt aus dem mehrteiligen Netzteilelko aus.
Damit war klar, dass die Reparatur an dieser Stelle zunächst unterbrochen werden musste. Ein weiterer Betrieb hätte den Gleichrichter oder andere Baugruppen unnötig belastet.
Dass ausgerechnet der Netzteilelko ausfiel, überrascht kaum. In vielen Röhrenfernsehern zählen diese Bauteile zu den häufigsten Ausfallursachen. Sie übernehmen eine wichtige Aufgabe im Netzteil. Nach der Gleichrichtung der Netzspannung sorgen sie dafür, dass die pulsierende Gleichspannung geglättet wird. Ohne ausreichende Siebung würden zahlreiche Baugruppen instabil arbeiten oder Brummstörungen auftreten.
Im Laufe der Jahrzehnte verdunstet jedoch ein Teil des Elektrolyten. Gleichzeitig steigt der Innenwiderstand des Kondensators an. Im ungünstigsten Fall entstehen hohe Leckströme, die schließlich zum Austreten des Elektrolyten oder sogar zum vollständigen Ausfall führen.
Wer einen Röhrenfernseher restaurieren möchte, sollte deshalb den Zustand der Netzteilelkos stets besonders sorgfältig beurteilen.

Ersatz für den defekten Netzteilelko
Mehrfachbecherelkos gehören heute zu den Bauteilen, die bei der Restaurierung historischer Fernseher zunehmend Probleme bereiten. Zwar werden einige Typen inzwischen wieder produziert, doch passende Kapazitäten und Spannungsfestigkeiten sind längst nicht mehr für jedes Gerät erhältlich. Hinzu kommt, dass Originalersatzteile häufig kostspielig sind oder lediglich als ungetestete Gebrauchtteile angeboten werden.
Für den Imperial FT493 stand deshalb zunächst keine passende Originalkomponente zur Verfügung.
Um die Funktion des Netzteils wiederherzustellen, wurde der Becherelko provisorisch durch vier einzelne Elektrolytkondensatoren ersetzt. Elektrisch entspricht diese Lösung vollständig dem ursprünglichen Schaltungsaufbau. Lediglich die mechanische Ausführung unterscheidet sich vom Original. Für eine Funktionsprüfung und den späteren Probebetrieb hat sich diese Vorgehensweise aber schon vielfach bewährt.
Bei einer solchen Reparatur sollte darauf geachtet werden, dass die Ersatzkondensatoren mindestens dieselbe Spannungsfestigkeit besitzen wie die Originalbauteile, hier 350 Volt. Außerdem empfiehlt es sich, Typen mit einer Temperaturfestigkeit von 105 °C zu verwenden, da diese im Netzteil in der Regel eine längere Lebensdauer erreichen.
Neben dem großen Netzteilelko fiel ein weiterer Elektrolytkondensator im Netzteil auf. Der 4,7-µF-Elko zeigte bereits deutliche Alterungserscheinungen. Auch solche kleineren Elkos können Schwierigkeiten machen, wenn sie nicht ausgewechselt werden. Selbst wenn sie äußerlich unauffällig wirken, kann ein erheblicher Kapazitätsverlust zu schwer nachvollziehbaren Fehlerbildern führen.
Da der Kondensator ohnehin leicht zugänglich war, wurde er gleich vorsorglich ersetzt.
Zweite Inbetriebnahme: Das erste Bild erscheint
Nach Abschluss der Arbeiten wurden sämtliche Lötstellen kontrolliert. Anschließend erfolgte eine sorgfältige Sichtprüfung, um versehentlich vertauschte Anschlüsse oder Lötbrücken auszuschließen.
Erst danach wurde der Fernseher erneut über den Regeltrafo langsam hochgefahren.
Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Die Stromaufnahme blieb nun im erwarteten Bereich (weniger als 500 Milliampere) und verhielt sich über den gesamten Spannungsanstieg unauffällig. Das war ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Netzteil wieder ordnungsgemäß arbeitete.
Noch bevor die volle Netzspannung erreicht war, wurde das typische Rauschen des Tonteils hörbar. Wenig später begann die Bildröhre zu leuchten, wahrscheinlich das erste Mal seit vielen Jahren.
Dieser Moment gehört für viele Sammler historischer Fernsehtechnik zu den besonderen Augenblicken einer Reparatur. Ein Gerät, das möglicherweise jahrzehntelang außer Betrieb war, zeigt wieder ein Bild auf dem Schirm und vermittelt einen Eindruck davon, wie Fernsehen zu Beginn der 1970er Jahre erlebt wurde.
Natürlich sagt eine erfolgreiche Erstinbetriebnahme noch nichts über die Zuverlässigkeit des Gerätes aus. Viele Defekte treten erst auf, wenn sich einzelne Baugruppen erwärmen. Deshalb folge später ein ausführlicher Funktionstest mit einem Signal am Antenneneingang des fernsehers. EInen anderen EIngang gibt es nicht. AV- und Scart-Anschlüsse gab es erst einige Jahre später.

Empfang über einen UHF-Testsender
Da analoge Fernsehsender längst Geschichte sind, benötigt man heute eine geeignete Signalquelle, um einen historischen Schwarzweißfernseher sinnvoll testen zu können.
Zum Einsatz kam deshalb ein UHF-Testsender. Solche kleinen HF-Modulatoren erzeugen ein normgerechtes Fernsehsignal, das vom Empfänger wie ein klassisches Antennensignal verarbeitet wird. Dadurch lassen sich Bildqualität, Ton und Synchronisation unter realistischen Bedingungen beurteilen.
Der Imperial FT493 zeigte auf Anhieb ein scharfes und kontrastreiches Fernsehbild. Die Synchronisation arbeitete stabil, Bildbreite und Bildhöhe stimmten und auch die Linearität machte einen sehr guten Eindruck. Der Ton war sauber und frei von Brumm- oder Verzerrungsgeräuschen.
Nach den bisherigen Ergebnissen sprach zunächst alles dafür, dass sich die Reparatur auf den Austausch der gealterten Elektrolytkondensatoren beschränken würde.
Doch bei der Fernseher Reparatur ist Geduld oft wichtiger ist als ein schneller Erfolg.
Nach rund 50 Minuten verschwindet das Bild
Der Imperial Fernseher blieb zunächst im Dauerbetrieb. Während der ersten halben Stunde arbeitete das Gerät völlig unauffällig. Weder Bild noch Ton zeigten Auffälligkeiten.
Nach ungefähr 45 bis 50 Minuten begann sich das Bild jedoch langsam zu verändern.
Zunächst nahm die Helligkeit kaum wahrnehmbar ab. Dieser Vorgang verlief schleichend. Innerhalb weniger Minuten wurde das Bild immer dunkler, bis schließlich überhaupt nichts mehr zu erkennen war. Der Ton lief dagegen unverändert weiter.
Gerade diese Beobachtung liefert bereits wichtige Hinweise für die Fehlerdiagnose.
Wäre das Netzteil vollständig ausgefallen, wären Bild und Ton gleichzeitig verschwunden. Da ausschließlich das Bild betroffen war, musste der Fehler in einer Baugruppe liegen, die für die Bilddarstellung verantwortlich ist oder deren Spannungsversorgung beeinflusst.
Ebenso sprach das langsame Abdunkeln gegen einen plötzlichen Defekt wie eine unterbrochene Leiterbahn oder einen Kontaktfehler. Wahrscheinlicher war eine temperaturabhängige Veränderung eines Bauteils.
Ohne Schaltplan wird die Fehlersuche schnell zum Ratespiel
Für eine erfolgreiche Fehlerdiagnose reicht Erfahrung allein oft nicht aus. Gerade komplexe Schaltungen lassen sich wesentlich schneller analysieren, wenn der originale Schaltplan vorliegt.
Für den Imperial FT493 waren jedoch keine vollständigen Serviceunterlagen verfügbar.
An dieser Stelle erwies sich der Einbau zum Telefunken-Chassis CH211 als großer Vorteil. Der Schaltplan des Telefunken FE230LS konnte fast unverändert verwendet werden. Die Spannungsangaben und Messpunkte stimmten weitgehend mit dem Imperial überein. Nur einige Bauteilenummern stimmten nicht überein.
Damit stand eine Grundlage für die weitere Fehlersuche zur Verfügung. Viele Hersteller verwendeten damals identische Chassis in unterschiedlichen Geräteserien.

Systematische Fehlerdiagnose statt wahlloser Bauteiltausch
Gerade Einsteiger tauschen bei einem unklaren Fehlerbild häufig zunächst sämtliche verdächtigen Kondensatoren aus. Zwar kann dieses Vorgehen im Einzelfall zum Erfolg führen, besser ist aber eine systematische Vorgehensweise.
Zunächst wird das Fehlerbild möglichst genau analysiert. Anschließend wird anhand des Schaltplans die betroffene Baugruppe eingegrenzt. Erst danach folgen gezielte Spannungsmessungen und Bauteilprüfungen.
Da das Bild langsam dunkler wurde, rückte zunächst die Helligkeitsschaltung in den Mittelpunkt der Untersuchung. Als erste Kandidaten wurden die Kondensatoren C371 und C373 überprüft. Beide befinden sich im Bereich der Helligkeitsregelung und können bei Defekten ähnliche Symptome verursachen.
Deren Kontrolle ergab jedoch keine Auffälligkeiten. Damit blieb als nächster logischer Schritt die Überprüfung der Versorgungsspannungen.

Zunächst wurde die Spannung am Helligkeitsregler gemessen. Dort lagen etwa minus 150 Volt an. Dieser Wert lag deutlich außehalb des im Schaltbild angegebenen Bereichs von -30 bis +82 Volt. Auffällig war außerdem, dass sich die Spannung beim Drehen des Helligkeitsreglers überhaupt nicht veränderte.
Normalerweise verändert der Regler die Steuerspannung kontinuierlich. Die Bildröhre reagiert darauf mit einer entsprechenden Änderung der Bildhelligkeit, da das Poti für die Helligkeit über einen Widerstand direkt das Gitter 1 der Bildröhre ansteuert. Da dies nicht geschah, musste die Ursache vor dem eigentlichen Regler liegen.
Anschließend wurde die Versorgungsspannung U4 überprüft. Laut Schaltplan sollte sie rund +220 Volt betragen. Die Messung am Ausgang des Netzteils bestätigte diesen Wert. Dort lag die Spannung stabil an. Am Helligkeitsregler war sie dagegen nicht mehr vorhanden. Zwischen Netzteil und Helligkeitsschaltung musste also eine Unterbrechung bestehen.
Der Schaltplan erleichterte die weitere Vorgehensweise erheblich. Mit diesem konnte der Verlauf der Versorgungsspannung Schritt für Schritt verfolgt werden.
Ein hochohmiger Widerstand legt die Bildhelligkeit lahm
Schließlich führte die Fehlersuche zum Widerstand R377 mit einem Nennwert von 820 kΩ.
Äußerlich war an diesem Bauteil nichts Auffälliges zu erkennen. Weder Verfärbungen noch thermische Schäden oder Risse deuteten auf einen Defekt hin. Erst die Messung brachte Gewissheit.
Der Widerstand war hochohmig geworden und hatte seinen ursprünglichen Wert deutlich überschritten. Dadurch konnte die Versorgungsspannung die Helligkeitsschaltung nicht mehr zuverlässig erreichen.
Das erklärte gleichzeitig das beobachtete Fehlerbild.

Während der ersten Betriebsminuten war die Spannungsversorgung offenbar noch ausreichend, um ein Bild zu erzeugen. Mit zunehmender Erwärmung änderten sich die elektrischen Eigenschaften des Widerstands weiter, bis die Spannung schließlich so weit zusammenbrach, dass die Bildröhre nicht mehr angesteuert werden konnte. Das Bild wurde langsam dunkler und verschwand schließlich vollständig, obwohl Ton und die übrigen Baugruppen weiterhin einwandfrei arbeiteten.
Gerade solche temperaturabhängigen Fehler gehören zu den schwierigsten Defekten in der Fernsehtechnik der 1970er Jahre. Ohne systematische Spannungsmessung wäre dieser Fehler kaum eindeutig zu lokalisieren gewesen.
Warum hochohmige Widerstände häufig übersehen werden
Bei der Restaurierung alter Elektronik liegt der Schwerpunkt oft auf Kondensatoren und Elektrolytkondensatoren, oft wird das auch als Kondensatorkur oder Elkokur bezeichnet. Dafür gibt es gute Gründe, denn gealterte Elkos gehören tatsächlich zu den häufigsten Fehlerursachen.
Dennoch sollte man auch Widerstände nicht unterschätzen.
Insbesondere Kohleschichtwiderstände verändern ihren Wert im Laufe vieler Jahrzehnte. Feuchtigkeit, thermische Belastung und Materialalterung können dazu führen, dass der Widerstandswert langsam ansteigt. Kritisch wird dies vor allem bei hochohmigen Widerständen im Bereich mehrerer hundert Kiloohm oder sogar im Megaohm-Bereich. Bereits vergleichsweise kleine Abweichungen können dort erhebliche Auswirkungen auf Arbeitspunkte und Versorgungsspannungen haben.
Da diese Bauteile äußerlich meist völlig unauffällig bleiben, geraten sie bei der Fehlersuche leicht in Vergessenheit. Das Beispiel des Imperial FT493 zeigt eindrucksvoll, dass gerade ein einzelner hochohmiger Widerstand einen deutlichen Fehler verursachen kann.
Abschließender Probebetrieb
Nach dem Austausch von R377 wurde der Imperial FT493 erneut über den Regeltrafo in Betrieb genommen. Anschließend folgte wieder ein längerer Test mit dem UHF-Testsender.
Das Bild erschien sofort mit normaler Helligkeit und gutem Kontrast. Auch die Regelung arbeitete nun wieder über den gesamten Einstellbereich. Mehrere Stunden Dauerbetrieb bestätigten schließlich den Erfolg der Reparatur. Weder die Helligkeit noch die Bildgröße oder die Synchronisation veränderten sich mit zunehmender Erwärmung.
Damit war eindeutig nachgewiesen, dass nicht die Bildröhre, die Hochspannung oder das Netzteil die Ursache gewesen waren, sondern ausschließlich der gealterte Widerstand R377.
Ein ausgedehnter Probebetrieb gehört bei jedem Röhrenfernseher zu den wichtigsten Arbeitsschritten. Erst wenn das Gerät über einen längeren Zeitraum unter normalen Betriebsbedingungen stabil arbeitet, kann eine Reparatur als abgeschlossen gelten.

Fazit
Die Reparatur dieses Imperial FT493 zeigt exemplarisch, wie wichtig eine strukturierte Vorgehensweise bei der Restaurierung historischer Unterhaltungselektronik ist. Bereits die erste Inbetriebnahme machte deutlich, weshalb ein Regeltrafo zur Grundausstattung jeder Werkstatt gehören sollte. Wichtig ist auch hier ein Betrieb mit einem Trenntrafo. Mehr dazu in den verlinkten Beiträgen. Der defekte Netzteilelko wurde frühzeitig erkannt und konnte ersetzt werden, bevor weitere Baugruppen beschädigt wurden.
Ebenso lehrreich war die anschließende Fehlerdiagnose. Das zunächst rätselhafte Fehlerbild hätte leicht zu einem umfangreichen Austausch zahlreicher Bauteile verleiten können. Einige Leute hätten vielleicht sogar die Bildröhre im Verdacht gehabt. Es lohnt sich also, hier und dort etwas genauer hinzusehen.
Der hochohmig gewordene Widerstand R377 unterbrach die Versorgung der Helligkeitsschaltung und verursachte dadurch einen Fehler, der erst nach längerer Betriebsdauer sichtbar wurde.
Gleichzeitig macht dieses beispiel für eine Fernseherreparatur den Vorteil standardisierter Chassis deutlich. Dass im Imperial FT493 das Telefunken-Chassis CH211 verwendet wurde und sich der Schaltplan des Telefunken FE230LS nahezu vollständig übernehmen ließ, verkürzte die Fehlersuche erheblich.
Wer einen Röhrenfernseher reparieren oder einen Schwarzweißfernseher restaurieren möchte, sollte sich deshalb Zeit für eine gründliche Analyse nehmen. Nicht jedes Problem ist sofort sichtbar. Oft führt erst das Zusammenspiel aus dem Lesen des Schaltplans, Spannungsmessungen und einem ausgedehnten Probebetrieb zum dauerhaft erfolgreichen Ergebnis. Etwas Erfahrung gehört natürlich auch dazu oder ist zumindest hilfreich.
Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von Fachbüchern zu Netzteilen und elektronischen Grundlagen.
Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor




